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9. Februar 2001 | Gemeinderat, Direktionen

Masterplan Bahnhof Bern: Verkehrsversuch - weiteres Vorgehen

Im August 2000 wurde auf dem Bahnhofplatz ein befristeter Verkehrsversuch gestartet. Ziel dieses Versuchs ist eine Verkehrsführung zu finden, die einerseits eine optimale Koexistenz aller Verkehrsteilnehmenden garantiert und andererseits Platz für eine attraktive Gestaltung des Bahnhofsplatzes schafft. Der bisherige Verkehrsversuch ist abgeschlossen und ausgewertet. Der Gemeinderat hat aufgrund der bisher mehrheitlich positiven Erfahrungen beschlossen, die derzeitige Verkehrsregelung vorläufig beizubehalten, wobei Feinanpassungen und zusätzliche Verbesserungen sowie allenfalls ein weiterer Test mit einer stark veränderten Variante geprüft werden.

inf. Der Gemeinderat der Stadt Bern hat den Verkehrsversuch durchgeführt, um im Sinne der Zielsetzungen des Masterplans für eine attraktive Gestaltung des Bahnhofplatzes Platz zu gewinnen sowie eine Verbesserung der Umsteigebeziehungen zwischen den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erzielen. Er hat den Verkehrsversuch Bahnhofplatz weiter aufgrund von zwei Überlegungen durchgeführt: zum einen ergeben sich in der Verkehrsplanung stets grundsätzliche Bedenken, die in der Sache oft nicht nur theoretisch diskutiert werden können sondern in der Praxis erprobt werden müssen; zum anderen hat der Gemeinderat erkannt, dass technisch erhobene Daten zur Abschätzung der Konsequenzen neuer verkehrsplanerischer Massnahmen allenfalls eine generelle Richtlinie für das weitere politische Handeln sein können. Derartige Prognosedaten geben keine eindeutigen Antworten, wie sich die tatsächliche Verkehrssituation entwickeln wird. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass politische Entscheidungen, die ausschliesslich auf der Basis theoretischer Verkehrsprognosen getroffen wurden, in der Regel zum Austausch politischer Positionen und weniger zur tatsächlichen Gewichtung der Gesamtinteressen führen.

Aus diesem Grund hat der Gemeinderat den Weg des Verkehrsversuchs gewählt. Er konnte in der Realität, d.h. in den vergangenen 6 Monaten überprüfen, wie sich der Verkehr über den Bahnhofplatz nun tatsächlich entwickelt. Der Gemeinderat hat mit dem Verkehrsversuch zudem Klarheit über die Probleme gewonnen, die im Detail noch zu lösen sind. Es werden weitergehende Schritte geprüft, die zusätzliche Verbesserungen insbesondere für den öffentlichen Verkehr und das Velo im Bereich des Bahnhofplatzes bringen können. Der Gemeinderat wird in Zukunft auch an anderen Stellen im Stadtgebiet das Instrument des Verkehrsversuchs in Erwägung ziehen, um eine sachliche Interessensabwägung in der Verkehrsplanung vornehmen zu können.

Monitoring Verkehrsversuch

Seit dem Beginn des Verkehrsversuches am 21. August 2000 wurden durch unabhängige Fachleute im Rahmen eines Monitorings die verkehrstechnischen Auswirkungen untersucht. In verschiedenen Erhebungsphasen vor und während des Versuchs konnten Vergleiche zum Verkehrsgeschehen gezogen werden. Interessiert haben dabei vorallem folgende Aspekte:

  • Verkehrskapazität, Verkehrsreduktion auf dem Bahnhofplatz
  • allfällige Verkehrsumlagerungen auf Ausweichrouten
  • allfällige Verkehrsbehinderungen und Fahrzeitverluste auf der Bahnhofachse
  • Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf die Verkehrssicherheit.

 

Fazit des Verkehrsversuchs

Aufgrund der durchgeführten Beobachtungen und Analysen kann der Verkehrsversuch aus verkehrstechnischer Sicht insgesamt als zweckmässig bezeichnet werden. Der Verkehrsversuch zeigt, dass mit der vorgeschlagenen Schmalfahrbahn Platz gewonnen werden kann für die beabsichtigte Umgestaltung von Bahnhofplatz und Bubenbergplatz. Dieser Platzgewinn ist von Bedeutung für den zentralen Abgang zur Christoffelunterführung bei der Heiliggeistkirche und die neue konzentrierte Anlage der Tramhaltestellen beim Loeb-Egge.

Es können folgende Schlüsse gezogen werden:

Verkehrsreduktion: Die Kapazität der Durchfahrt Bollwerk-Bubenberplatz wurde durch den Verkehrsversuch nicht verkleinert, das Verkehrsaufkommen wurde insgesamt nicht reduziert.

Verkehrsumlagerungen: Es konnten – mit Ausnahme der kleinen Westtangente (Durchfahrt beim Bahnhofparking) - keine signifikanten Umlagerungen auf die möglichen Ausweichrouten festgestellt werden. Der Ausgestaltung und dem Betrieb der kleinen Westtangente ist vermehrt Beachtung zu schenken, Reserven bezüglich Verkehrskapazität sind noch vorhanden.

Verkehrsbehinderungen: Für den motorisierten Individualverkehr konnten keine Reisezeitverluste festgestellt werden. Einzelne Linien des öffentlichen Verkehrs weisen zum Teil betrieblich relevante Reisezeitverluste auf, deren Ursachen oder Zusammenhang mit dem Verkehrsversuch von den SVB noch detailliert untersucht werden sollen.

Verkehrssicherheit: Die Unfallstatistik zeigt, dass sich während dem Verkehrsversuch kein schwerer Unfall ereignet hat. Bei den Bagatellunfällen gab es eine Zunahme von 8 (1. 1. 2000 bis 21. 8. 2000) auf 12 (22. 8. 2000 bis 31. 12. 2000). Nur in einem Fall kam es zu einer Kollision mit einem Radfahrer. Weitere Verbesserungsmassnahmen sind in diesem Teilstück für den motorisierten Individualverkehr wie den Veloverkehr zu prüfen.

Weiteres Vorgehen

Der bisherige Verkehrsversuch ist abgeschlossen. Der Gemeinderat hat aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen beschlossen, die derzeitige Verkehrsregelung vorläufig beizubehalten. Ob ein weiterer Verkehrsversuch eingeleitet, die bisherige Lösung beibehalten oder ob sie gar zurückgeführt werden wird, ist Gegenstand weiterer Abklärungen. Der Gemeinderat wird in diesem Zusammenhang konkrete Feinanpassungen und zusätzliche Verbesserungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden prüfen. Bis zum Entscheid des Gemeinderats über die nun laufenden Abklärungen wird die derzeitige Verkehrsführung beibehalten.

Informationsdienst der Stadt Bern

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