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5. Juni 2015 | Gemeinderat, Direktionen

Schulhaus Stapfenacker

Lernateliers für Jenische Schulkinder

Nach den Sommerferien bauen zwei Lehrkräfte im Schulhaus Stapfenacker zwei Lernateliers für jenische Kinder auf, nämlich für jene 21 Kinder, die im Herbst wieder auf dem Standplatz Buch eintreffen werden. Das Förderprogramm ist Teil des Projekts «Lernen unterwegs». Die Stadt Bern setzt mit dem neuen Konzept auf Vertrauensbildung und Beziehungsaufbau. Sie stellt damit das Kind und seine Zukunft ins Zentrum.

Für die Lernateliers hat die Schulbehörde zwei Lehrerinnen gewählt, die nach den Sommerferien ihre Arbeit im Schulhaus Stapfenacker im Schulkreis Bümpliz aufnehmen. Im ersten Quartal des Schuljahres 2015/16 bauen sie ein Förderangebot für die jenischen Kinder auf, die im Winterhalbjahr wie gewohnt in Klassen im Stapfenackerschulhaus unterrichtet werden. Neu besuchen die jüngeren Kinder acht, die älteren zwölf Lektionen pro Woche das Lernatelier. Es geht darum, gezielt Wissenslücken – vor allem in Deutsch, Mathematik und Französisch – anzugehen oder zu schliessen. Die beiden Atelier-Lehrerinnen sind Ansprechpersonen für die jenischen Kinder und deren Eltern. Erklärtes Ziel ist es, eine gute und stabile Beziehung zu den Kindern und ihren Familien aufzubauen – eine sogenannte Lehr- und Lern-Beziehung zu etablieren. «Ein Vertrauensverhältnis zwischen Schule, Kind und Elternhaus aufzubauen, ist in der Pädagogik die wichtigste Massnahme überhaupt, damit das Unterrichten gelingt», sagt die Schulamtsleiterin Irène Hänsenberger. Diesem Punkt komme aufgrund der besonderen Lebenssituation der Fahrenden grosse Wichtigkeit zu.

Schule unterwegs
Die Direktion für Bildung, Soziales und Sport hat in Zusammenarbeit mit der Erziehungsdirektion des Kantons Bern das Projekt «Lernen unterwegs» gestartet, um die schulische Bildung der Fahrenden neu zu konzipieren. Das Bildungskonzept wird mit den Lernateliers für die Wintermonate auf eine neue Basis gestellt. Und die Fahrenden erhalten eine verbindlichere Unterrichtsbegleitung in Form von Fernunterricht während des Reisens in der Zeit von März bis September. Dieselben beiden Lehrerinnen, die auch für die Lernateliers zuständig sind, sind auch für den Unterricht während der Frühlings- und Sommermonate verantwortlich. Geplant ist, diesen Fernunterricht mit digitalen Medien wie beispielsweise Skype oder E-Mail aufzubauen. Die Lehrpersonen werden den Kontakt mit den Fahrenden auf diese Weise aufrechterhalten und die Kinder beim Lernen begleiten – ohne selber zu reisen.

Sozialhilfeabhängigkeit verhindern
Die Schulleitungen, das Schulamt und Bildungsdirektorin Franziska Teuscher wollen eine Verbesserung der Situation, welche die Bildungsinteressen der jenischen Kinder ins Zentrum stellt. Tatsache ist, dass die schulische Bildung der fahrenden Kinder in der Regel nur bedingt ausreicht, um eine Attest- oder Berufslehre absolvieren zu können, wie die Gemeinderätin festhält. Da die Fahrenden ihren Lebensunterhalt immer weniger mit den traditionellen Erwerbszweigen decken können, sind sie verstärkt darauf angewiesen, einer Lohnarbeit nachzugehen. Gelingt dies nicht, besteht ein hohes Risiko, dass sie später auf die Sozialhilfe angewiesen sein werden.

 

Identitätsstiftende Lebensweise

Die Schweiz hat die Jenischen 1998 mit der Ratifikation des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates als nationale Minderheit anerkannt. Das Minderheiten-Abkommen schützt neben grundlegenden Freiheitsrechten auch spezifische Rechte von Minderheiten wie beispielsweise eine identitätsstiftende Lebensweise. So ist das Fahren ein wesentlicher Bestandteil der jenischen Lebensweise. In der Bundesverfassung verankert ist zudem der Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht für Kinder. Diesen beiden Anliegen gerecht zu werden, stellt Bund, Kantone und Gemeinden vor grosse Herausforderungen. Widersprüchlichkeiten entstehen dadurch, dass die Schule den Kindern Bildung im Sinne des Lehrplans ermöglicht und gleichzeitig die Lebensweise der Fahrenden respektiert. In diesem Spannungsfeld setzt das dreijährige Pilotprojekt «Lernen unterwegs» neue Akzente.

 

Direktion für Bildung, Soziales und Sport

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