Navigieren auf Stadt Bern

Benutzerspezifische Werkzeuge

Content navigation

Die Lehrer finden: «Das kommt schon gut»

27. Juni 2017

ENDE DER OBLIGATORISCHEN SCHULZEIT - Zwei Klassenlehrer des Brunnmattschulhauses «entlassen» in wenigen Tagen ihre Jugendlichen aus der obligatorischen Schulzeit. Alle Schülerinnen und Schüler werden im August eine Anschlusslösung haben. Zu Recht sind Nik Aufschläger und Suman Maheswaran darauf ein wenig stolz. Denn für den Berufswahlentscheid haben sie alles für ihre Klassen gegeben.

Bild Legende:

Besuch bei Nik Aufschläger, Klassenlehrer der 9a, und Suman Maheswaren, Klassenlehrer der 9b, die ihre Schülerinnen und Schüler in wenigen Tagen in die Sommerferien verabschieden und aus der obligatorischen Schulzeit entlassen. Was sind das für Klassen, die sich nun auflösen? «Ich verabschiede mich von einer sehr bunten Klasse, in der die ganze Welt vertreten ist», sagt der 29-jährige Maheswaran, der seit fünf Jahren in der Brunnmatt unterrichtet. Von den neun Knaben und acht Mädchen in der 9b haben nur zwei Knaben keinen Migrationshintergrund. Auch in der 9a präsentiert sich die Situation ähnlich. Es seien sehr höfliche, anhängliche Jugendliche, beschreibt Suman Maheswaran seine Klasse. «Anhänglich», das ist ein besonderes Wort, das nach Beziehung und Vertrautheit klingt. «Ja», bestätigt Nik Aufschläger und erklärt: «In meiner Klasse gibt es einen Block leistungsstarker Jugendlicher, die sind autonomer unterwegs. Für sie ist der Abschied aus der Schule völlig okay.» Jugendliche, die von ihren Eltern wenig oder kaum unterstützt werden (können), «brauchen uns mehr und sie sind entsprechend anhänglicher».

Alle wissen wie es nach den Sommerferien weitergeht

Und mit welchem Gefühl lassen die Lehrer ihre Jugendlichen ziehen? «Das kommt schon gut», sagt Aufschläger. In den beiden Klasse werden neun Jugendliche das Gymnasium besuchen, dreizehn eine Lehre beginnen, elf ein 10. Schuljahr besuchen, zwei die FMS, eine Schülerin startet ein Praktikum und in einem Fall wird die Anschlusslösung in Kürze geklärt sein. Nik Aufschläger sagt, er habe bei einigen wenigen Jugendlichen schon gewisse Fragezeichen, ob es ihnen gelingen werde, ein selbstbestimmtes, psychisch gesundes Leben zu führen. Anders Suman Maheswaren: «Vor drei Jahren habe ich meine erste 9. Klasse verabschiedet, da habe ich mir mehr Sorgen gemacht.» Er habe den Jugendlichen damals gesagt, dass er auch nach den Sommerferien für sie da sei: «Die allermeisten kamen nie vorbei, aber es gab ihnen Sicherheit.»

Alle Schülerinnen und Schüler haben eine Anschlusslösung gefunden. Ist das die Ausnahme oder die Regel? «Wir machen in Sachen Berufswahl alles für die Jugendlichen», sagen die Lehrer übereinstimmend. Sie schauen die Bewerbungsunterlagen durch, sie begleiten die Jugendlichen, wenn nötig, zum Vorstellungsgespräch, aufs BIZ (Berufsberatung). Dies tun sie wohlwissend, dass in ihrem Schulkreis ein Teil der Eltern nicht ausreichend in der Lage ist, ihre Kinder zu unterstützen. Sei es, weil sprachliche oder kulturelle, berufliche, soziale oder andere Barrieren im Weg stehen. Dennoch sei das «Aufsteigerdenken» unter den Eltern sehr präsent. Das Ziel sei meist das Gymnasium. Ein oft zu hoch gegriffenes Ziel. Hier versuchen die Lehrer zu stützen, zu begleiten und zu erklären. So würden die Chancen und Möglichkeiten einer Lehre (mit Berufsmatura) meist schlecht verstanden oder aus Gründen des Sozialprestiges abgelehnt.

Ist den Jugendlichen bewusst, dass jetzt ein wichtiges Stück ihres noch jungen Lebens, die obligatorische Schulzeit, zu Ende geht? «Nein, nicht wirklich. Und diejenigen, die sich am coolsten geben, sind oft die, die zum Schluss am meisten Mühe haben und in Tränen ausbrechen», lacht Suman Maheswaran.

 

Text: Katharina Rederer

Weitere Informationen.

Aktuelle Berichte Newsletter

Fusszeile