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Im Gestalten können Jugendliche viel von sich selber zeigen

18. Dezember 2017

TEXTILES GESTALTEN HEUTE - Die 53-jährige Karin Rudin ist gelernte Polydesignerin 3D. Sie hat mit 40 Jahren an der PH Bern ein Studium mit den Schwerpunkten Bildnerisches, Textiles und Technisches Gestalten gestartet und berufsbegleitend abgeschlossen. Heute unterrichtet sie an zwei Berner Schulen. Sie gibt uns einen Einblick ins Textile Gestalten an der Mosaikschule Munzinger.

Bild Legende:

Frau Rudin, früher besuchten das Fach Textiles Gestalten ausschliesslich Mädchen. Ziel war, die Mädchen auf ihre Rolle als spätere Mütter und Hausfrauen vorzubereiten. Was sind heute die Ziele im Fach Gestalten?

Karin Rudin: Gestalten setzt sich aus Technischem und Textilem Gestalten zusammen und richtet sich an Mädchen wie Jungen. Es geht auf der einen Seite um das Kennenlernen und Arbeiten mit verschiedenen Materialien wie Stoff, Holz, Metall, verschiedenen Kunststoffen, Glas und Ton. Dann geht es um das Üben manueller Fertigkeiten und das Erlernen von Techniken wie Nähen, Stricken, Sticken, Sägen, Schrauben oder Löten.

Und auf der anderen Seite?

Basierend auf dem Lehrplan haben wir Lehrerinnen und Lehrer im Gestalten viele Freiheiten. Für manche Lehrkräfte steht das Produkt, das entstehen soll, im Vordergrund. Für mich persönlich ist es stärker die Förderung der individuellen Kreativität, die mir wichtig ist.

Wieso?

Weil ich überzeugt bin, dass Jugendliche über ihre Kreativität sehr viel von sich selber zeigen können, dabei auch sich selber bleiben dürfen und sich in einer Art präsentieren können, wie dies in der Schule nur in wenigen Fächern möglich ist.

Wie meinen Sie das genau?

Ich spüre, wenn Schülerinnen und Schüler unter Druck stehen in der Schule, mit den Leistungen nicht da sind, wo sie sein sollten. Bei mir im Textilen Gestalten fällt diese Art von Druck weg. Ich kann sie motivieren, etwas zu machen, was viel mit ihnen selber zu tun hat und nicht mit einem schulischen Ziel.

Haben die Jugendlichen im Gestalten somit auch viele Wahlmöglichkeiten?

Das ist von Schule zu Schule etwas unterschiedlich. Hier an der Mosaikschule Munzinger haben wir im Gestalten ein neues Modell eingeführt. Wir arbeiten mit Trimesterkursen. Die Jugendlichen besuchen ein Trimester Textiles Gestalten, eines Technisches Gestalten und im dritten Trimester können sie wählen. Sie können zusätzlich aus Modulen auswählen: Das kann z.B. ein Modul Drucktechnik, Metall- oder Holzarbeiten, Kleider nähen etc. sein. Im Idealfall arbeiten wir mit Doppelklassen, was bedeutet, dass je zwei Technisch- und Textil- Lehrpersonen vier Module parallel anbieten. Die Schülerinnen und Schüler können selber auswählen, was sie besuchen möchten

Und die einzelnen Module haben dann die Fertigung eines bestimmten Produkts zum Ziel?

Auch das ist verschieden. Beispielsweise das Modul «Ein Sackmesser herstellen» ist natürlich enger umrissen als das Modul «Ein Behältnis herstellen». Letzteres haben wir einmal angeboten und da haben die Jugendlichen von Bauchtaschen, über Turnsäckli bis hin zu Rucksäcken sehr Unterschiedliches hergestellt. Aktuell wollte ich mit einer Klasse etwas machen, das Ruhe und Konzentration ins Klassenzimmer bringt. Ich habe also ein Modul kreatives Sticken angeboten.

Und wie ist das angekommen?

Sehr gut, ich war erstaunt, denn ich hatte etwas Bedenken, dass sie sich langweilen würden. Aber die meisten waren begeistert und experimentierfreudig, was aussergewöhnliche Resultate hervorbrachte. Ein Jugendlicher hat zum Beispiel ein Bild gestickt, das ein Spiegelei mit Speck zum Thema hatte. Sie haben z.B. Federn, Zweige und Perlen eingestickt, einzelne Details gefilzt oder appliziert, was dem Ganzen Lebendigkeit verlieh.

Es gibt in jeder Klasse leistungsstärkere und -schwächer Lernende, wie gehen Sie damit um?

Auch das ist an einer Mosaikschule vielleicht etwas speziell: Die Jugendlichen sind nicht in Leistungsklassen, sondern in gemischte Klassen eingeteilt. Mit der Wahlmöglichkeit über die Gestaltungs-Module sind die Klassen zusätzlich alle Trimester wieder neu gemischt. Ich beobachte, dass sich die Jugendlichen in ihren unterschiedlichen Stärken und Entwicklungsphasen gegenseitig mitziehen und inspirieren, was ja auch ein Ziel einer Mosaikschule darstellt.


Interview: Katharina Rederer

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