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Haus der Religionen

«Plötzlich ist das Fremde nicht mehr so fremd»

Das Haus der Religionen ist ein weltweit einzigartiger Ort des Gesprächs und der Begegnung verschiedener religiöser Gemeinschaften. Auch Schulklassen sind dort regelmässig zu Besuch für Workshops. Was können sie lernen? Im Gespräch mit Zeinab Ahmadi, Leiterin Bildungsbereich.

Zeinab Ahmadi

Frau Ahmadi, das Haus der Religionen bietet Workshops für Schulklassen an. Warum?
Das Haus der Religionen ist ein so anregender Ort, dass uns von Anfang klar war, dass wir auch Schulklassen empfangen wollten. Die Kinder und Jugendlichen sehen bei diesen Einblicken die sakralen Räume und können mit Vertretern der Religionsgemeinschaften reden. Das vermittelt ihnen einen sehr direkten und persönlichen Bezug zu diesen Religionen. Natürlich werden religiöse Fragen und Themen auch in der Schule behandelt und diskutiert. Aber die Religionen hautnah zu erleben, ist doch etwas ganz anderes. Die Begegnungen ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, vorurteilsfrei eine andere Religion kennen zu lernen und Vertrauen dazu aufzubauen.

Was möchten Sie den Schülerinnen und Schülern mit diesen Einblicken vermitteln?
Ein Blick auf das Weltgeschehen bestätigt leider nur zu oft, dass es aufgrund der Religion zu grossen Konflikten kommen kann. Das Haus der Religionen hebt sich da wohltuend ab: Es ist ein Friedensprojekt. Das möchten wir den Schülerinnen und Schülern zeigen. Sie sollen sich mit anderen Religionen und mit den eigenen Vorurteilen gegenüber dem Fremden auseinandersetzen. Plötzlich ist das Fremde nicht mehr so fremd. Wir gehen sehr stark auf die Jugendlichen ein und orientieren uns an ihren Fragen und Anliegen.

Religion ist für die Kinder ein nicht ganz alltägliches Thema. Wie kommen die Workshops bei ihnen an?
Ich erlebe die Kinder grundsätzlich als sehr offen – mitunter offener als es Erwachsene sind. Entgegen kommt ihnen sicher, dass sie an diesen Workshops nicht nur eine Religion, sondern eine Person kennen lernen. Das öffnet ihre Herzen und ihr Interesse. Die Kinder sind voller Fragen und stellen sie auch: Wie betet ihr? Was ist der Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten? Persönliches zu erfahren, schätzen die Kinder. Sie dürfen über ihre Gefühle sprechen. Die Atmosphäre ist offen.

Die Workshops sind noch relativ jung. Werden sie rege genutzt?
Ja, es kommen recht viele Anfragen. Vielen Schulklassen ist jedoch noch zu wenig bewusst, dass sie nicht nur Führungen durch das Haus machen, sondern auch einzelne Religionen vertieft kennen lernen können. Aber es spricht sich immer mehr herum.

Wie können sich die Schulklassen auf den Besuch vorbereiten?
Ideal ist, wenn die Lehrperson im Vorfeld bereits die Grundkenntnisse einer Religion vermittelt. Dann profitieren die Schülerinnen und Schüler am meisten vom Besuch. Haben sie keine Ahnung, um was es geht, ist das wenig zielführend. Hilfreich ist sicher auch,
wenn die Klasse Fragen vorbereitet und ihre Wünsche in Bezug auf den Workshop anmeldet. Dann können die Vertreter der Religionsgemeinschaften möglichst präzis darauf eingehen.

Sie sind verantwortlich für den Bildungsbereich. Was genau ist Ihre Rolle?
Ich treffe mich regelmässig mit den Vertretern der Religionsgemeinschaften und unterstütze sie bei der Planung der Workshops. Sie führen diese dann in eigener Regie durch. Die Einblicke sollen möglichst authentisch sein. Darauf legen wir grossen Wert. Im Haus der Religionen vertreten sind Aleviten, Buddhisten, Christen, Hindus und Muslime. Sie bieten alle Workshops für Schulklassen an. Daneben gibt es Angebote des Dialogbereichs, die ich selber durchführe. Da geht es um interreligiöse und interkulturelle Themen – zum Beispiel um Kleidervorschriften, Architektur oder Rassismus in den verschiedenen Religionen. Weiter gibt es einen Workshop des interkulturellen Jugend-Radio-Projekts.

Welches sind die Highlights Ihrer Arbeit?
Wenn ich die Motivation der Schülerinnen und Schüler spüre. Wenn ich merke, dass sich durch den Besuch beim einen oder bei der anderen etwas verändert hat. Vielleicht ist dies nur etwas ganz Kleines. Das spielt keine Rolle. Das Wichtigste ist die Auseinandersetzung.

Mehr zum Haus der Religionen: www.haus-der-religionen.ch

 

Interview: Peter Brand

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