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Kinder erinnern mich an mein inneres Kind

Die Arbeit in einer Kindertagesstätte wird häufig mit Begriffen wie Lärm, Geschrei und dem Ungleichgewicht zwischen Verantwortung und Lohn assoziiert. Trotzdem wählen viele junge Menschen nach der Schule eine Ausbildung zur Fachfrau oder zum Fachmann Betreuung Kind (FaBeK). Zum Beispiel Elvidona Lena, die im zweiten Lehrjahr in der Kita Lorraine arbeitet. Was bewegt Frau Lena? Worin liegt der Reiz der Ausbildung? Ein kurzes Gespräch über Kinder, das Leben und die Welt, in der wir leben.

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Elias Bartlome: Frau Lena, wenn ich an eine Kita denke, dann kommen mir Erwachsene in den Sinn, die mit schreienden oder ungeduldigen Kindern auf dem Boden sitzen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Oder an viele volle Windeln... Wie kommen Sie dazu, eine Lehre als FaBeK zu machen?
Elvidona Lena: Meine Familie kommt ursprünglich aus Mazedonien und viele meiner Tanten und Cousinen leben im selben Dorf und haben eine Menge Kinder. Seit ich mich erinnern kann, besuchen wir sie in den Sommerferien und ich hüte dann liebend gerne meine kleinen Verwandten. So war mir schon lange klar, dass Kinder in meinem Beruf eine wichtige Rolle spielen sollen.

Was ist es denn konkret, das Ihnen an Kindern und der Arbeit mit Kindern so gefällt?
Kinder sind unschuldige Wesen. Sie geben immer ihr Bestes und wollen geliebt werden. Was gibt es Schöneres, als mit solchen Menschen Zeit zu verbringen? Ein Kinderlachen kann die ganze Welt verzaubern. Eine Welt voller Phantasie, die uns Erwachsenen schon lange verloren gegangen ist. So danke ich den Kindern täglich, dass sie mich daran erinnern, mein eigenes inneres Kind nicht zu vergessen. Ich will zuhören wie Kinder, ich will mit demselben Ernst Dinge erledigen wie Kinder, wenn sie spielen. Und vor allem: Menschen sind nicht perfekt, sie sind fehlbar. Mit dieser Fehlbarkeit können Kinder besser umgehen als Erwachsene. Sie versuchen es einfach immer und immer wieder. So lerne ich jeden Tag so viel von ihnen. Und gerade heute braucht die Welt doch Menschen, die immer wieder aufstehen und es wieder und wieder versuchen. Menschen, die aus Fehlern lernen und den Kopf nicht hängen lassen. Kinder machen das täglich 100 Mal.

Sie sind jetzt im zweiten Lehrjahr und haben bereits viel gelernt. Was machen Sie heute anders im Umgang mit Kindern als vor der Ausbildung?
Ich bin viel geduldiger geworden. Das hat wohl mit der Erfahrung zu tun. Und die Theorie vom humanistischen Menschenbild, die besagt, dass jede und jeder die gleiche Würde hat, begeistert mich. So begegne ich Kindern heute mit der gleichen Würde und dem gleichen Respekt wie Erwachsenen. Die verschiedenen Modelle, die wir lernen, schaffen für meine Arbeit einen Rahmen, geben mir Sicherheit: Da ist zum Beispiel das Identitätsmodell von Petzold mit seinen fünf Phasen im Umgang mit Kindern. Früher habe ich die Kinder getröstet, indem ich sie tätschelte und beruhigte. Nach Petzold nehme ich die Kinder, ihre Identität und auch ihre Integrität jetzt viel ernster. Ich frage konkret nach, was passiert ist, und ich versuche, unmittelbar zusammen mit dem Kind eine Lösung für das Problem zu finden.

Wie werden Sie im Alltag seitens des Betriebs begleitet?
Ich habe eine Berufsbildnerin im Betrieb, mit der ich alle zwei Wochen für eineinhalb Stunden zusammensitze. Mit ihr reflektiere ich den Alltag, kann Fragen stellen und mich über die Vernetzung von Theorie und Praxis unterhalten. Von ihr erhalte ich auch Aufträge, die ich erledigen muss. Diese besprechen wir dann zusammen. So weiss ich auch immer genau, wo ich stehe und ob ich meine Ziele erreiche. Zudem steht mir der Leiter der Gruppe, auf der ich arbeite, mit Rat und Tat zur Seite. Er gibt mir täglich kleinere und grössere Aufgaben, denen ich mich stellen muss. 

Und sonst?
Da wir ein grosser Betrieb sind, der neun Lernende ausbildet, können wir uns auch untereinander vielseitig austauschen. Die drei Lernenden im dritten Lehrjahr haben mir schon oft geholfen. Viermal im Jahr führen wir zudem ein Lernenden-Atelier durch, mit allen Lernenden und dem Betriebsleiter. Da besprechen wir spezifische Themen untereinander wie Esskultur auf der Gruppe oder Umgang mit Grenzverletzungen. Mit allen diesen Gefässen habe ich gute, vielschichtige Möglichkeiten, Theorie und Praxis aufeinander abzustimmen.

Warum ist Ihre Arbeit als FaBeK besonders wichtig?
Die Eltern geben in der Kita oder im Tagi ihr Wichtigstes, ihr Liebstes der Welt ab. Sie haben ein Anrecht darauf, dass dieses mit der grössten Hingabe und Sorgfalt betreut wird. Und Professionalität ist ein Garant dafür, dass das aktuelle Wissen über diese Tätigkeit in die Arbeit einfliesst. Und: Kinder brauchen Kinder. Das ist bei Familien, die nur ein Kind haben, ein wichtiger Faktor. Die Kinder lernen, mit anderen Kindern klarzukommen, sie helfen und sie streiten sich. Das sind alles wichtige Erfahrungen, die fürs Leben später hilfreich sind. Wir als FaBeK unterstützen und fördern sie dabei und bieten Raum für die Entfaltung.

Letzte Frage: Worauf könnten Sie in Ihrem Beruf verzichten?
Unter anderem auf Spielzeuge. Ich setze mich dafür ein, dass Kinder ihre Fantasie so oft als möglich gebrauchen können. Das sogenannte Symbolspiel finde ich sehr wichtig. Die Kinder tun dann so als ob und verwenden zum Beispiel einen Stuhl als Piratenschiff und formen dann einen Becher zum Fernglas um. Das ist viel kreativer, als mit einem Plastikpiraten zu spielen.

Elvidona Lena – Lernende FaBeK, Kita Lorraine

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