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Referat anlässlich des Festaktes «100 Jahre Gymnasium Kirchenfeld»

15. Januar 2026

Referat von Gemeinderätin Ursina Anderegg, Direktorin für Bildung, Soziales und Sport, anlässlich des Festaktes «100 Jahre Gymnasium Kirchenfeld», 15. Januar 2026.

(Es gilt das gesprochene Wort)

Liebe Schüler*innen
Liebe Lehrpersonen
Lieber André (Lorenzetti, Rektor), liebe Schulleitung
Liebe Christine (Häsler, Regierungsrätin)
Lieber Christoph (Neuhaus, Regierungsrat)
Liebe Vertreter*innen der Schulkommission (u.a. Präsident Daniel Wildhaber)
Liebe Gäste

Vor 100 Jahren wurde das neugebaute Gymnasium Kirchenfeld dem Schulbetrieb übergeben. Das war in Zeiten, in denen vieles passiert ist, in unseren Breitengraden lagen grosse Kriege und Krisen hinter den Menschen, und die nächsten lagen schon fast wieder in der Luft.

Armut wie auch Industrialisierung waren grosse Themen, genau wie der Durst nach einem freien Leben der Menschen in den «goldenen Jahren».

Die Themen, die die Menschen damals beschäftigten, waren die gleichen, sie wurden jedoch etwas anders verhandelt und es galten andere Rahmenbedingungen.

So hat zum Beispiel einer meiner Vorgänger – also der damalige städtische Schuldirektor –in der Denkschrift anlässlich der Einweihung des Gymer Kirchenfeldes folgendes festgehalten:

«Heute (…) wächst die Notwendigkeit, Männer heranzubilden, die in der Lage sind, mit weitem Blick, mit der Sicherheit, die zuverlässiges Wissen, geistige und körperliche Gewandtheit verleihen, ihre Aufgabe zu bewältigen.»

Von der Aussage her betreffend Sinn und Zweck von Gymnasien bin ich zwar recht einverstanden, aber über etwas stolpern wir wohl alle ziemlich:

Wurde damals also der Fokus auf die männlichen Schüler gelegt, sind die Schülerinnen heute in der Mehrheit, der Zugang an die Gymnasien ist heute für alle Geschlechter offen. Hier stehen wir betreffend Gleichstellung der Geschlechter an einem ganz anderen Punkt.

Die umfassende Chancengerechtigkeit ist mir, ist uns vom Gemeinderat der Stadt Bern ein grosses Anliegen. Es steht in den Zielen für die laufenden Amtszeit, dass wir uns für einen chancengerechten Zugang zur Bildung einsetzen wollen. Dazu gehört auch, dass der Übergang zwischen Volksschule und Gymnasium durchlässig und die Gymnasien möglichst zugänglich sein sollen, für alle Kinder – unabhängig von ihrer sozioökonomischen Herkunft oder ihrem Status.

Die Gymnasien sind ein wichtiger Bestandteil der Bildungslandschaft, auch für die Stadt Bern. 1997 gingen die Gymnasien zwar von der Stadt zurück an den Kanton – sie waren 1880 wegen Geldnot vom Kanton zur Stadt gewechselt. Aber ein Teil der Schüler*innen, welche die Volksschule besuchen, sind künftige Gymi-Schüler*innen. Was sie aus der Volksschule mitbringen, daran knüpft das Gymnasium an.

Die Stadt Bern ist gleichzeitig auch ein starker Hochschulstandort. Die Gymnasien bilden sozusagen die Brücke zwischen der Volksschule und der Hochschule. Unser Ziel muss sein, dass alle, die diesen Weg wählen wollen, über diese Brücke gehen können.

Wir haben auch einen regelmässigen Austausch mit den Gymnasien. Wichtiges Thema dabei ist der Übergang von der Volksschule zum Gymnasium. Beim letzten Austausch haben wir uns darüber unterhalten, welche Veränderungen die Rektor*innen in den letzten Jahren wahrgenommen haben. Die Rückmeldungen waren unterschiedlich.

Eine Rückmeldung war, dass die Schüler*innen sehr motiviert, engagiert, sozialkompetenter und oft selbstbewusster sind als in anderen Zeiten. Und gleichzeitig seien viele auch fragiler – die psychische Gesundheit ist auch in den Gymnasien ein grosses Thema.

Die Schüler*innen würden die Schulen immer wieder herausfordern, flexibel und beweglich zu bleiben. Ich finde das eine gute Nachricht:

Die Welt, unser Umfeld ist komplexer geworden, und momentan finden viele gesellschaftliche Auseinandersetzungen und Veränderungen statt. Es ist die Aufgabe von Schulen, sich immer wieder zu verändern, Rahmenbedingungen anzupassen, zu überlegen, welche Inhalte vermittelt werden müssen, um junge Erwachsene auf ihrem Weg zu begleiten.

Ihr Jugendlichen und jungen Erwachsenen befindet euch während der Gymerzeit in einem wichtigen und aufregenden Abschnitt eures Lebens. Ihr seid am Herausfinden, was das Leben und das Zusammenleben alles mit sich bringt.

Ihr seid auf dem Weg zur Unabhängigkeit: Hier gilt es, sich abzugrenzen, auszuprobieren. Den Gymnasien kommt eine wichtige Aufgabe zu, hier Perspektiven und Halt zu bieten, nicht nur Stoff zu vermitteln, sondern auch Selbstbewusstsein, Eigenständigkeit, Selbstwirksamkeit, zu selbstorganisiertem Lernen befähigen und: kritisches Denken zu fördern.

Gerade letzteres finde ich aktuell unglaublich zentral, und wir sehen, dass dies in den Gymnasien auch stattfindet: zum Beispiel haben wir sehen können, wie stark die Beteiligung von Schüler*innen der Gymnasien, auch vom Kirchenfeld-Gymer, am Klimastreik war. Diese Bewegung hat sehr vieles bewirkt.

Ich gratuliere dem Gymnasium Kirchenfeld ganz herzlich zu seinem 100-jährigen Geburtstag. Wir sind stolz, Gymnasien wie eures eines ist, in der Stadt zu haben, denn sie tragen viel zur Lebendigkeit im Zusammenleben bei, und zu lebhaften Debatten und neuen Ideen.

Und dies ist in den heutigen Zeiten umso wichtiger, damit wir gemeinsam eine sorgsamere und solidarischere in Zukunft gestalten können.

Ich wünsche euch ein ganz schönes Fest!

Weitere Informationen.

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