Navigieren auf Stadt Bern

Benutzerspezifische Werkzeuge

Content navigation

Grussbotschaft Ursula Wyss anlässlich der Mitgliederversammlung der «Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft»

3. Mai 2016

Grussbotschaft von Ursula Wyss, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, anlässlich der Mitgliederversammlung der «Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft», Bern, 3. Mai 2016©

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Damen und Herren

Vielen Dank für die Einladung an Ihre Mitgliederversammlung. Im Namen des Gemeinderats heisse ich Sie in der Stadt Bern herzlich willkommen.

Vielen Dank für die Einladung an Ihre Mitgliederversammlung. Im Namen des Gemeinderats
heisse ich Sie in der Stadt Bern herzlich willkommen.

Sie sind mit Ihren Anliegen in Bern am richtigen Ort: Die Oekonomische Gemeinnützige Gesellschaft existiert bereits seit über 250 Jahren. Ihre ursprüngliche Thematik rund um Ernährungsfragen hat bis heute nicht an Aktualität eingebüsst. Weltweit leiden weiterhin 800 Millionen Menschen unter Hunger, obwohl genügend Lebensmittel produziert werden. Der Kampf gegen den Hunger ist eines der wichtigsten Anliegen der internationalen Gemeinschaft. Er ist insbesondere ein wesentliches Ziel der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung, die von 193 UNO-Mitgliedern verabschiedet worden und die Anfang 2016 in Kraft getreten ist. Sie verlangt, dass bis 2030 der Hunger aus der Welt geschafft sein muss. Die Schweiz war von Beginn an massgeblich an der Erarbeitung universell gültiger Ziele für eine nachhaltige Entwicklung beteiligt.

Aber umso stossender ist deshalb der jüngste Entscheid der Finanzkommission des Nationalrates. Sie will nämlich die öffentlichen Entwicklungsgelder auf 0.4 Prozent des Bruttonationaleinkommens kürzen. Mindestens ein Viertel der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit müsste damit gestrichen werden. Das heisst konkret: Ein Teil der Projekt, die die Ernährungssicherheit der Landbevölkerung im Süden gewährleisten, müssten eingestellt werden. Und dies obwohl der Bundesrat im Herbst zum wiederholten Mal angekündigt hatte, die Schweiz wolle endlich auch den international angestrebten Wert von 0.7 Prozent des Bruttoinlandprodukts für die Entwicklungszusammenarbeit einsetzen.

Der Hunger in den Industrieländern und hier in der Schweiz ist Vergangenheit. Heute stehen wir vor einem ganz anderen Problem: Wir leben im Überfluss. Lebensmittel sind für uns problemlos erschwinglich. Deshalb können wir es uns auch leisten, planlos und in grossen Mengen einzukaufen und abgelaufene Waren umso grosszügiger wegzuwerfen. Schliesslich sind Joghurts etc. ja günstig wie noch nie zuvor! Doch frische Früchte, die erst um die halbe Welt transportiert werden, bevor wir sie hier ungenossen in den Abfall werfen, haben einen hohen Preis – nicht zuletzt auch für die Umwelt.

Schweizerinnen und Schweizer werfen jährlich zwei Millionen Tonnen einwandfreier Lebensmittel weg. Pro Kopf und Tag bedeutet das fast eine ganze Mahlzeit. Unter dem Schlagwort „Food Waste“ wird ihr in jüngster Zeit auch der politische Kampf angesagt. Diesen März hat der Nationalrat eine Motion angenommen, die den Bundesrat beauftragt, Massnahmen zu treffen, um die Lebensmittelverluste in der Schweiz bis 2020 um mindestens 30 Prozent zu reduzieren.

Die Kampfansage an die Lebensmittelverschwendung hat sich die OGG auf die Fahne geschrieben. Mit Ihrem ersten eigenen Stand an der diesjährigen BEA bringen Sie auch gleich das brisante Thema inklusive der Sonderausstellung „Food Waste“ ins Grüne Zentrum. Auch findet heute Nachmittag die Vernissage Ihres Kochbuches „Restenlos glücklich“ statt. (Im Zentrum des Buches stehen über 40 alltagstaugliche Restenrezepte des Berner Kochs Mirko Buri). Ich bin begeistert von diesem innovativen Projekt, das zeigt, auf welch einfache und kreative Art und Weise jede und jeder von uns „Food Waste“ reduzieren kann. Mit Ihrem Beitrag an der BEA sensibilisieren sie die Bevölkerung für „Food Waste“ und präsentieren gleichzeitig Lösungen zur Behebung des Problems. Das ist effektive und wertvolle Arbeit und dafür danke ich Ihnen bestens.

Auch der Stadt Bern ist es ein Anliegen, dort wo sie kann, die Bevölkerung im Bereich Ernährung und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Ein Beispiel dafür sind unsere Urban Gardening Projekte. In recycelten SBB-Paletten oder Migros-Wägeli pflegen und hegen die Quartierbewohnerinnen und –bewohner auf öffentlichen Plätzen und in Pärken Bio-Broccoli, Tomaten, Sonnenblumen, Federnkohl und vieles mehr.

Laufend entstehen neue solcher Projekte. Interessierte Personen melden sich bei der Stadt und werden dann bei ihrem Unterfangen tatkräftig unterstützt. Das ist Stadtnatur pur, damit auch das urbane Kind weiss, wie ein Rüebli wächst und dass es frisch gepflückt am besten schmeckt.

Daran knüpft auch das im Aufbau befindende Projekt „Gemüsetruhe“ an – eine Co-Produktion von der OGG und Stadtgrün Bern. Ziel ist es, jungen Menschen die Wertschätzung von Lebensmitteln zu vermitteln. Dabei stellt die OGG Berner Schulklassen fertig bepflanzbare Hochbeete in Gemüsetruhen inklusive Saatgut, Setzlingen und Werkzeugen zur Verfügung und berät sie beim Anpflanzen und der Pflege der Hochgärten. Stadtgrün Bern produziert, liefert und montiert die Gemüsetruhen für die Schulen. Ende Saison werden die Truhen wieder eingesammelt. Die Geschichte ist einfach, ihre Wirkung umso direkter – das gefällt mir.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg und Ideenreichtum für Ihre Projekte und freue mich über eine weitere erfreuliche Zusammenarbeit zwischen der OGG und unserer Stadt.

Grussbotschaft von Ursula Wyss, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, anlässlich der Mitgliederversammlung der «Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft», Bern, 3. Mai 2016©
Titel
Mitgliederversammlung «OGG», Grussbotschaft Ursula Wyss, 03.05.2016 (PDF, 79.4 KB)

Weitere Informationen.

Fusszeile