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Grussbotschaft Ursula Wyss anlässlich von «Geranium City»

25. April 2016

Grussbotschaft von Ursula Wyss, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün anlässlich von «Geranium City». Bern feiert seine Blumen. Bern, 25. April 2016©

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Damen und Herren

Es freut mich sehr, Sie zur Eröffnung des Kulturprojekts „Geranium City“ begrüssen zu dürfen. „Geranium City“ – geht das überhaupt zusammen? Kaum ein Bauernhof vom Emmental bis ins Rheintal ohne ein Meer an roten Geranienblumen, das seine Fassade schmückt. In vielen Dörfern braucht es noch heute Mut, sich dem allgemeinen Verschönerungsdruck zu widersetzen. Geranium ist in unserem Selbstverständnis „Land“ und nicht „City“. Doch seit ein paar Jahren scheint sich nicht nur das Geranienblatt zu wenden. Die Abgrenzung zwischen Stadt und Land ist nicht mehr so verbissen wie auch schon – jedenfalls aus Sicht der Stadt. So machen sich die Städter die Vorzüge des Landes noch so gern zu eigen. Die Städte holen sich die Vorzüge des Lands vor die eigene Haustür: Verkehrsberuhigung, grüne Parks und Abenteuerspielplätze, aber auch sogar die Biodiversität ist mittlerweile in den Städten grösser als in Agrar-Country.

Das Geranium hat definitiv seine Vor-züge: nicht nur ist es günstig und pflegeleicht – es sieht in seiner Vielfalt wirklich auch cool aus. Und wenn es sich in den recycelten SBB-Paletten oder Migros-Wägeli von Urban Gardening wiederfindet, dann sieht es definitiv aus wie „Geranium City“.

Ich bin mir deshalb auch nicht so sicher, ob der Beschrieb des Geraniums im Veranstaltungs-Prospekt denn wirklich zutrifft:

„…Man liebt es oder man hasst es. Dazwischen gibt es wenig…“

Vielmehr hat der städtische Trend eingesetzt, das Geranium vom Eternit-Trögli am Dorfbrunnen wegzubringen und in eine neue Umgebung zu setzen. Das Verhältnis zu dieser Blume selbst entspannt sich damit. Sie ist nicht mehr offen dargestellte Heimattreue,
sondern emanzipiert sich als eigenständige Blume, die gefallen kann – oder eben auch nicht, ohne deswegen ein Bekenntnis zum eigenen Patriotismusverständnis machen zu müssen. Darum haben die Verantwortlichen von Geranium City auch nicht eine Blumenschau für Geraniumliebhaberinnen und -liebhaber konzipiert.

Ziel von Geranium City ist es vielmehr, diese heimatbelastete Blume definitiv und offiziell als explizit auch urbane Blume willkommen zu heissen und zu feiern. Nicht von ungefähr hört denn auch die Geschichte des Geraniums, die hier erzählt wird, nicht bei der geistigen Landesverteidigung der 40er Jahre auf, als die Blume ihren nationalen Höhepunkt feierte.

Viel mehr sehen wir auch hier: was wir so gern als ganz Urschweizerisch hätten, ist nicht Made in Switzerland: Wir haben’s nicht erfunden. Das Geranium kommt von weit her, nämlich aus den Kapbergen Südafrikas. Dort wurde die Wildpflanze im 17. Jahrhundert ausgegraben und kam übers Meer nach Holland. Die exotische Pflanze, die das tropische Klima liebt, hitzetolerant, zäh und pflegeleicht ist, genoss in Europa rasch grosse Beliebtheit.

Auch war das Geranium – einmal in Europa – von Beginn weg kein Landei. Seine Karriere startete in den Botanischen Gärten und die gab es nur in Universitätsstädten, führte über die Bürgerbalkone Europäischer Städte und genoss erst später in den Bauerngärten auf dem Land den populären Durchbruch.

In der Stadt Bern startete übrigens die Geranien-Offensive um 1900, weil das farbenfrohe Gewächs die sandsteinfahle Stadt schöner machen sollte.

Das Geranium, das aus dem südlichen Afrika zu uns kam und einst in Europa eine Exotin war, hat es geschafft, sich hier einzurichten und die Schweizer Herzen für sich zu erobern. Das Geranium steht also nicht nur als Symbol für die neue Versöhnung zwischen Land und Stadt, sondern auch als Symbol für eine perfekt gelungene Integration.

Diese Geschichte des Geraniums, die man als Erfolgsgeschichte der Integration bezeichnen kann, zeigt uns auch eins: Worauf es ankommt ist, dass dort, wo man hinkommt, die Chance gegeben wird, sich zu entfalten und sich wohlzufühlen, und man akzeptiert, gefordert und gefördert wird. Dann ist Integration eine Erfolgsgeschichte und sie kann überall stattfinden. Das Geranium ist die Blume der aktuellen Stunde: Symbol einer weltoffenen, urbanen Lebenshaltung.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Vernissage und lassen Sie sich während dem Sommer von Geranium City inspirieren. Ich danke den vier Partnerinstitutionen – das sind das Alpine Museum, der Botanische Garten, die Kornhausbibliothek und Stadtgrün Bern – herzlich für ihre spannende Zusammenarbeit. Dank ihnen haben wir die Gelegenheit, das Geranium in ganz unterschiedlichen Facetten und an verschiedenen Orten in Bern kennenzulernen. Lassen Sie sich auf sein Wesen und seine Geschichte ein. Es lohnt sich.

Grussbotschaft von Ursula Wyss, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün anlässlich von «Geranium City». Bern feiert seine Blumen. Bern, 25. April 2016©
Titel
«Geranium City», Grussbotschaft Ursula Wyss, 25.04.2016 (PDF, 78.5 KB)

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