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Referat Ursula Wyss anlässlich des Point de Presse «Die Strategie zur Bekämpfung invasiver Neophyten»

15. Juni 2016

Referat von Ursula Wyss, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün anlässlich des Point de Presse «Die Strategie zur Bekämpfung invasiver Neophyten» vom Mittwoch, 15. Juni 2016©

Es gilt das gesprochene Wort

Wer in Bern lebt, kann sich nicht nur in gepflegten Parkanlangen erholen. In Bern gibt es auch Stadtnatur pur zu geniessen. Wer beispielsweise am Aareufer entlang spaziert, dem eröffnet sich eine reichhaltige natürliche Wildpflanzenund Tierwelt. Es kreucht und fleucht, summt und duftet jetzt im Frühsommer im urbanen Bern. Diese Vielfalt der Pflanzen- und Tierarten und der Lebensräume –
kurz Biodiversität genannt – ist ein wertvolles Gut und die Lebensgrundlage für Natur und Mensch. Sie ist zum Beispiel essentiell für das Filtern von Schadstoffen, die Aufnahme von Niederschlägen, die Bodenfruchtbarkeit. Zudem gibt es Hinweise auf ein positives Verhältnis zwischen Biodiversität und Wohlbefinden der Stadtbevölkerung. Untersuchungen zeigen, dass die Bevölkerung genau jene Aspekte des Stadtgrüns am stärksten schätzt, welche auch für die urbane Biodiversität wichtig sind. Es geht um vielfältige, reichhaltige Grünräume, welche aber zugänglich und erlebbar sind und so die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem Leben nicht einschränken.

Die Förderung der städtischen Biodiversität bedeutet also nicht nur, möglichst viel Lebensraum für Fauna und Flora z.B. in Form von unversiegelten naturnahen Flächen zu schaffen, sondern sie bringt auch Lebensqualität für die Stadtbewohnenden in Form von attraktiven Grünräumen und einem vielfältigen Wohnund Arbeitsumfeld. Naturerlebnisse vor der Haustüre, die Möglichkeit für Bewegung, Erholung und Entspannung inmitten einer Stadt sind wichtige Aspekte einer hohen Standortattraktivität.

Die Biodiversität wird jedoch von verschiedenen Seiten bedroht. Ihrem Erhalt muss in allen Lebensräumen Sorge getragen werden; in der Landwirtschaft, in Erholungsräumen, in dicht bebautem Gebiet. Der Stadt Bern liegt der Schutz dieser Vielfalt am Herzen. Deshalb hat der Gemeinderat 2012 ein behördenver-bindliches Biodiversitätskonzept genehmigt. Darin ist zum Beispiel festgehalten, dass wir ökologisch wertvolle Flächen sichern wollen, Lebensräume erhalten oder gefährdete Arten fördern. Nicht zuletzt soll der Bevölkerung auf geeignete Weise die Natur ihrer Stadt näher gebracht werden. Denn: Nur was wir kennen und schätzen, wollen wir in der Regel auch schützen.

Das Biodiversitätskonzept benennt insgesamt 17 Ziele, die bis 2022 erreicht werden sollen, um die natürliche Vielfalt erhalten zu können. Inzwischen ist in der Stadt Bern bereits viel gemacht worden. Die wichtigsten Resultate wurden bisher in der Naturvermittlung sowie in der Verbesserung der Datengrundlagen erreicht. Die Floreninventarkartierung hat z.B. gezeigt, dass in Bern mehr Wildpflanzenarten wachsen, als erwartet wurde. Der Wildwechsel-Wagen hat im Wyssloch und im Steigerhubel bereits zahlreiche Kinder und Erwachsene be-geistert und das neue Programm in der Länggasse wird intensiv nachgefragt. Mit dem bunten Bauwagen vermittelt Stadtgrün Bern interessierten Bernerinnen und Bernern hilfreiches Wissen zur hiesigen Flora und Fauna. Bei Planungen und Überbauungsordnungen können auf der Grundlage des Biodiversitätskonzepts neue naturnahe Lebensräume verlangt werden und in der Fröschmatt konnte ein Pilotprojekt zur Förderung der Biodiversität im Wohnumfeld erfolgreich umge-setzt werden.

Ein Ziel des Biodiversitätskonzepts ist es auch, invasive Neophyten zu bekämpfen und ihre Ausbreitung einzudämmen. Als Neophyten bezeichnet man gebietsfremde Pflanzenarten, die erst nach der Entdeckung Amerikas (1492) aus fernen Gebieten hierher zu uns gelangt sind. Die Begriffe «einheimisch» und «zugewandert» sind denn auch mit Vorsicht zu geniessen, da schliesslich gewisse Pflanzenarten, die ursprünglich in der Schweiz nicht vorgekommen sind, hier mittlerweile längst heimisch sind – und das ist auch gut so und ebenfalls Teil der Biodiversität. Probleme entstehen dann, wenn sie invasiv sind, sich immens ausbreiten und die heimische Pflanzenvielfalt verdrängen.

Es handelt sich dabei nur um wenige Pflanzenarten, die uns Kummer bereiten. Dafür sind die Probleme umso heftiger. Wir werden übrigens nachher Exemplare vor Ort zeigen und sehen, was ihre Ausbreitung bedeutet. Solche problematische Arten werden immer noch in unseren Gärten angepflanzt. Warum? Weil die Neophyten schön blühen, Schmetterlinge anlocken, immergrün sind und den Leuten oft nicht bewusst ist, dass diese Pflanzen sich auch ausserhalb ihres Gartens ausbreiten und die Biodiversität gefährden. Als Ausbreitungszentren haben Städte daher eine besondere Verantwortung und müssen bei der Bekämpfung vorbildlich vorangehen. Denn Neophyten verursachen auch Kosten: Durch Schäden in der Forstwirtschaft, Landwirtschaft und in den Strassenbelägen oder durch die Destabilisierung von Flussufern; dazu kommen noch die Gesundheitskosten.

Erst kürzlich, Mitte Mai 2016, hat der Bundesrat die Strategie der Schweiz zu invasiven gebietsfremden Arten verabschiedet. Es geht also etwas. Wir können aber nicht warten, bis die Massnahmen bekannt sind und die Umsetzung begonnen hat. Das kann Jahre dauern. Wir beginnen – wie auch andere Schweizer Städte, z.B. Zürich – bereits jetzt mit einer gezielten, verstärkten Bekämpfung.

Wie genau, das erläutert ihnen jetzt der Leiter Stadtgrün, Christoph Schärer.

Referat von Ursula Wyss, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün anlässlich des Point de Presse «Die Strategie zur Bekämpfung invasiver Neophyten» vom Mittwoch, 15. Juni 2016©
Titel
«Die Strategie zur Bekämpfung invasiver Neophyten», Referat Ursula Wyss, 15.06.2016 (PDF, 80.5 KB)

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