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Chancengleichheit für Kinder mit Behinderungen

29. März 2017

BEHINDERTENRECHTSKONVENTION - In der Schweiz gilt der Grundsatz, dass Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen die gleichen Chancen und Möglichkeiten erhalten wie nichtbehinderte Kinder und Jugendliche. Das bedingt, dass der «Nachteil», den Betroffene aufgrund ihrer Behinderung haben, ausgeglichen werden muss. Die Schulen sprechen hier vom «Nachteilsausgleich».

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Dieser Anspruch auf «Nachteilsausgleich» besteht ab der Grundschule bis zu Universitäten und umfasst alle weiteren Aus- und Weiterbildungen. Der entsprechende Rechtsanspruch stützt sich auf die Behindertenrechtskonvention der UNO (siehe Kasten).

Kanton Bern schliesst Fremdsprachigkeit als Nachteil mit ein

Der Kanton Bern hat für Lehrpersonen mögliche Vorschriften und Massnahmen beschrieben, wie behinderte Schülerinnen und Schüler in der Volksschule gleichgestellt werden können. Der Kanton Bern zählt nebst Körper- oder Sinnesbehinderungen, Autismus, Lese-, Rechtschreibschwäche oder Dyskalkulie (Rechenschwäche) auch die Fremdsprachigkeit zum Nachteilsaugleich mit dazu.

Kinder, die über «noch unzureichende Kenntnisse der Unterrichtssprache bei einem Neuzuzug aus einem anderen Sprachgebiet»*) verfügen, haben Anrecht auf schulinterne Massnahmen, sodass sie die gleichen Bildungschancen haben wie die anderen Schülerinnen und Schüler.

Anspruch unbestritten – Umsetzung anspruchsvoll

Für Lehrpersonen ist das Ziel, dass behinderte Schülerinnen und Schüler nicht diskriminiert werden dürfen und die gleichen Chancen haben sollen, unbestritten. (Lesen Sie dazu das Interview mit Herbert Bichsel, dem Geschäftsstellenleiter der Behindertenkonferenz Stadt und Region Bern.

Die konkrete Umsetzung in der Praxis ist jedoch anspruchsvoll. Welche Massnahmen können zum Beispiel einer Schülerin, einem Schüler mit Lese- und Rechtschreibproblemen im Klassenverband geboten werden, dass ihre Benachteiligung ausgeglichen wird? (Lesen Sie dazu den Artikel von Denise Utiger und Sara Wegmüller aus der Schule Bethlehemacker.) Wie sieht eine förder- und lernzielorientierte, umfassende und transparente Leistungsbeurteilung aus, ohne dass die anderen Schülerinnen und Schüler sich ungerecht behandelt fühlen? Wie können gute fremdsprachige Schülerinnen und Schüler in die Sekundarklasse integriert werden, wenn sie weder Deutsch noch Französisch beherrschen? Die Grundlagen sind da, die Schule – und schlussendlich die ganze Gesellschaft – muss sich aber erst noch an den unbestrittenen Anspruch auf Chancengleichheit gewöhnen und sich aktiv zeigen.

Behindertenrechtskonvention seit drei Jahren in der Schweiz gültig

Am 13. Dezember 2006 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNO) die sogenannte Behindertenrechtskonvention (BRK) verabschiedet. Sie schreibt vor, dass Menschen mit Behinderungen ihre Rechte im gleichen Masse ausüben können wie Menschen ohne Behinderung. Die Konvention soll Chancengleichheit herstellen. Seit 2014 ist die BRK auch Teil der schweizerischen Gesetzgebung. Die Übernahme der Konvention hat auch mannigfaltige Auswirkungen auf das Schweizerische Bildungssystem.

 

Text: Martin Häberlin

Martin Häberlin ist im Schulamt der Stadt Bern für die schulische Integration zuständig.

 

*) Merkblatt zur Direktionsverordnung vom 14. Mai 2013 über Beurteilung und Schullaufbahnentscheide in der Volksschule (DVBS), gültig ab Schuljahr 2013/14; Revision 6/14

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