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«Wir erklären den Kindern, wieso wir beim Kochen etwas tun oder lassen»

23. Oktober 2017

ERNÄHRUNGSRICHTLINIEN DER STADT BERN - In Bern gelten in der familienexternen Kinderbetreuung bei der Mahlzeitenherstellung neu standardisierte Ernährungs- und Qualitätsrichtlinien. Maria Aebi, Leiterin der Tagesschule Schwabgut, berichtet von ihren ersten Erfahrungen seit der Umstellung.

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Frau Aebi, welchen Stellenwert hat das Essen im Alltag der Tagesschule?
Aebi: Gutes und ausreichend Essen ist sehr wichtig. Wenn den Kindern das Essen mundet, ist die Stimmung gut. Andererseits ist es sofort zu spüren, wenn die Kinder das Essen nicht mögen. Zusammen essen ist ein soziales Ereignis und am Mittag unsere Hauptaufgabe.

In allen städtischen Kitas, Tagis und Tagesschulen gelten beim Kochen gemeinsame Standards. Neu dabei sind die Kriterien «saisonal, regional und nachhaltig produziert». Was bedeutet dies im Winter: Kürbis und Chabis bis zum Abwinken?
Aebi: Ein Menü kommt gemäss Richtlinien frühestens nach drei Wochen wieder auf den Tisch. Wir versuchen möglichst vielfältig Wintergemüse zu kochen. Und wir greifen auch mal auf Tiefgefrorenes zurück, da die Punkte Vielfalt und Abwechslung ebenso wichtig sind.

Zu etwas Aufregung hat bei der Umstellung geführt, dass Zurückhaltung bei «Salz und Zucker» gefordert ist. Welche Reaktionen gab es?
Aebi: Seit wir den Tee ungesüsst anbieten, führten wir einige Diskussionen. Manche Jugendlichen haben jetzt ganz auf Wasser umgestellt. Wir nutzen die Gelegenheit und erklären, was es mit zu viel Süssem auf sich hat und welchen Effekt Zucker zum Beispiel auf die Konzentrationsfähigkeit hat. Das leuchtet den Kindern ein. Wir lassen ihnen aber auch viele Freiheiten.

Welche zum Beispiel?
Aebi: Wir Erwachsene bestimmen, was auf den Tisch kommt. Die Kinder und Jugendlichen bestimmen, was sie davon essen wollen. Wir fechten am Tisch keine Kämpfe aus. Wir hatten beispielsweise einen Jungen, der eine Woche lang nur Fleisch ass. Er hat dann ohne unser Zutun wieder damit aufgehört. Er hat gemerkt, dass er bei uns keine Reaktion auslösen kann. Oft geht es beim Essen ums Ausloten der Beziehung zu uns Betreuenden.

Neu ist zudem, dass möglichst keine Lebensmittel weggeworfen werden (Stichwort: no food waste). Gelingt das?
Aebi: Das ist recht anspruchsvoll, weil bei der Mengenzubereitung die Erfahrungswerte nur bedingt nützen. Einmal ist beim gleichen Menü die Menge knapp, ein anderes Mal zu viel. Dann servieren wir Reste wie rohes Gemüse zum Z’Vieri, verwerten gewisse Dinge am nächsten Tag oder die Betreuungspersonen können davon etwas mit nach Hause nehmen. Ziel ist es, möglichst keine Resten zu haben.

Es gibt Phasen, in denen die Kinder alles «gruusig» finden, was ihnen bei den Mahlzeiten angeboten wird. Ihre Reaktion?
Aebi: Oft haben die Kinder sonst irgendwie Stress. Wir versuchen im Gespräch herauszufinden, worum es geht. Die Köchinnen sind vor Ort und können durch ernsthaftes Eingehen auf Kritik der Kinder oft konstruktive Auseinandersetzungen führen.

«Der Tellerinhalt, eigentlich eine private, ja intime Sache, wird immer rigoroser auf das Feld der gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung gezerrt …», war im «Bund» im Nachgang zur Präsentation der städtischen Richtlinien zu lesen. Ihre Einschätzung?
Aebi: Tagesschulen, Kitas und Tagis sind städtische Einrichtungen. Wir haben eine grosse Verantwortung, wenn wir Kinder bis zu fünf Tage in der Woche bei uns verpflegen. Dass wir nun stadtintern auf einem gemeinsamen Weg sind, ist sinnvoll und bringt allen Beteiligten Sicherheit und Übersicht.

Link: Gemeinsame Standards in der Mahlzeitenherstellung

 

Interview: Katharina Rederer

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