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25 Jahre Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann – ein Blick zurück

In diesem geschichtsträchtigen Jahr 2021 feiern wir in der Stadt Bern nicht nur das 50-jährige Jubiläum des Frauenstimm- und Wahlrechtes, sondern auch den 25. Geburtstag der Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann. Sie öffnete ihre Tore am 1. Februar 1996, zehn Jahre nach dem Eidgenössischen Gleichstellungsbüro und einige Jahre nach den Fachstellen von Zürich und Genf. Ein Blick in die Entstehungsgeschichte zeigt: es war ein steiniger Weg.

Beschwerliche Gründungsphase

1987 verlangte eine Motion die «Schaffung eines Büros zur Wahrung der Frauenrechte». Knapp zehn Jahre dauerte es, bis die Fachstelle ihre Arbeit aufnehmen konnte. Das Geschäft wurde immer wieder aufgeschoben, bis der Stadtrat anfangs 1993 aufgrund einer Rechtsverzögerungsbeschwerde endlich die Einrichtung einer Fachstelle beschloss. Die langwierige Gründungsphase der Fachstelle passte zum damaligen politischen Klima: Zwar wurde Ruth Im Obersteg Geiser (damals Geiser-Im Obersteg) 1968 als erste Frau in den Stadtberner Gemeinderat gewählt, jedoch nach ihren eigenen Worten «zum Entsetzen ihrer Partei» [1] (Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei BGB, heute SVP) und in einer Ersatzwahl. Die diplomierte Handelslehrerin und Präsidentin des bernischen Frauenstimmrechtvereins wurde von ihren Parteikollegen denn auch nicht nicht zur Wiederwahl nominiert. Geiser-Im Obersteg liess sich nicht entmutigen und wurde als Parteilose noch zweimal wiedergewählt. Sie blieb bis 1984 Gemeinderätin und damit Vorreiterin für die wenigen Frauen, die nach ihr in den Gemeinderat gewählt wurden: Bis 1992 war jeweils nur eine Frau im Gemeinderat vertreten. Beim Wahlsieg von Rot-Grün-Mitte 1993 eroberten die Frauen vier von sieben Sitzen und waren erstmals in der Mehrheit. Zwischen 1997 und 2004 waren es jeweils drei, wobei seit 2005 wiederum nur zwei von fünf Mitgliedern im Gemeinderat Frauen sind. Das Stadtpräsidium ist bis heute in Männerhand.

Auf den Schultern der Pionierinnen

Frauen in der Stadt Bern können also erst seit wenigen Jahrzehnten politisch partizipieren. Es gab eine Zeit (von 1833 bis 1887), in der «tellpflichtige Weibspersonen eigenen Rechts» beziehungsweise wohlhabende Frauen indirekt abstimmen durften: Sie konnten an ihrer Stelle einen männlichen Vertreter schicken, der für sie an die Urne ging. Ausserdem gab es mutige Frauen wie beispielweise Julie von May, die schon 1872 gleiche Ausbildungsmöglichkeiten für Frau und Mann forderte. Auch Margarethe Faas-Hardegger scheute heikle Themen nicht, kämpfte für faire Arbeitsbedingungen für Frauen und äusserte sich öffentlich zu Verhütung und Abtreibung. [2] Vielleicht haben wir es genau diesem Mut zu verdanken, dass heute ein anderer Tenor in der Stadt Bern dominiert. Bern ist eine Stadt, in welcher Frauen enorm gut gewählt werden. Im Vergleich zu 1971, wo nur zehn Politikerinnen im Berner Stadtrat (von insgesamt 80 Mitgliedern) vertreten waren, also 12,5 Prozent, sind es heute 55 Stadträtinnen oder 69 Prozent. Dieser Sieg von historischem Ausmass ist schweizweit, wenn nicht gar weltweit, einzigartig. [3] Wie sich der hohe Frauenanteil auf die konkrete politische Arbeit auswirkt, bleibt abzuwarten.

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