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«Es tut gut, gehört zu werden»

Henry Hohmann
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Die Stadt Bern hat ihren Gleichstellungsauftrag erweitert. Seit 2018 gehört die Förderung der rechtlichen und tatsächlichen Gleichstellung von LGBTIQ-Menschen dazu. Das freut nicht nur Henry Hohmann vom Transgender Network Switzerland (TGNS).

Eine Gruppe von LGBTIQ-Menschen mit LGBTIQ Buchstabenballons und Pride Flaggen
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LGBTIQ steht für lesbische, schwule (gay), bisexuelle, trans, intergeschlechtliche und weitere queere Menschen. Diese unterscheiden sich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Geschlechtsidentität, ihrer körperlichen Geschlechtsmerkmale und/oder der Art und Weise, wie sie ihre Geschlechtlichkeit ausdrücken, von der Mehrheit der Bevölkerung.

Offene und subtile Diskriminierung

Wer «anders» ist oder «anders» lebt als die Mehrheit, trifft nicht nur auf Fragen, sondern häufig auch auf Unverständnis und Ablehnung. Das kann von beleidigenden und verächtlichen Aussagen über Benachteiligung bei der Stellen- oder Wohnungssuche bis hin zu körperlicher Gewalt gehen. Eine (subtile) Form der Diskriminierung ist auch die Unsichtbarkeit von LGBTIQ-Menschen und ihren Lebensweisen in der Öffentlichkeit, weil sie auf Bildern oder in Texten oft gar nicht abgebildet oder stark unterrepräsentiert sind.

Zwei parlamentarische Vorstösse gaben den Anstoss zu einer aktiven städtischen Gleichstellungspolitik für LGBTIQ-Menschen. Seit 2018 gehört zum Auftrag der Fachstelle für Gleichstellung auch die Förderung der rechtlichen und tatsächlichen Gleichstellung von LGBTIQ-Menschen in allen Lebensbereichen.

Bern wird zur Rainbow City

Die Förderung der Vielfalt der Bevölkerung – explizit auch in Bezug auf geschlechtliche und sexuelle Vielfalt – ist als Ziel in den Legislaturrichtlinien 2017-2020 der Stadt Bern festgehalten. Um den Erfahrungsaustausch im Bereich der Gleichstellung von LGBTIQ-Menschen mit anderen Städten zu ermöglichen, tritt Bern 2019 als dritte Schweizer Stadt nach Genf und Zürich dem internationalen Rainbow Cities Network bei.

Der Aktionsplan Gleichstellung 2019-2022 der Stadt Bern enthält erstmals auch Massnahmen zur LGBTIQ-Thematik. Sie haben einerseits das Ziel, die Lebenssituation von LGBTIQ-Menschen zu verbessern, indem bestehende Diskriminierungen sichtbar gemacht und beseitigt werden. Andererseits soll die Bevölkerung für Themen rund um geschlechtliche und sexuelle Vielfalt sensibilisiert werden, um Berührungsängste abzubauen und die Akzeptanz zu fördern.

Es besteht Handlungsbedarf

In den letzten Jahrzehnten hat sich die gesellschaftliche Akzeptanz insbesondere gegenüber homo- und bisexuellen Menschen in der Schweiz deutlich verbessert. Es besteht jedoch immer noch Handlungsbedarf. Das bestätigte auch ein Hearing mit Interessensvertreter*innen aus lokalen und gesamtschweizerischen LGBTIQ-Organisationen, das die Fachstelle im November 2018 durchführte. Im Fokus stehen besonders vulnerable Gruppen wie junge LGBTIQ-Menschen und solche mit Migrations- oder Fluchterfahrung sowie trans und intergeschlechtliche Menschen. «Es tut gut, gefragt und gehört zu werden», sagte Henry Hohmann, ein Vertreter des Transgender Network Switzerland (TGNS) als Rückmeldung zum Hearing.

Unwissenheit und Vorurteile gegenüber LGBTIQ-Menschen

In Bezug auf binäre und nicht-binäre trans Menschen sowie auf intergeschlechtliche Menschen gibt es besonders viel Informationsbedarf. Aber auch Personen, die sich dem aromantischen/asexuellen Spektrum zuordnen, wünschen sich mehr Sichtbarkeit und Verständnis. «Es geht hier ja nicht um Sonderrechte für Minderheiten. Es geht lediglich um gleiche Rechte für alle. Es geht um das Recht auf Schutz vor Diskriminierung und Gewalt und um unseren Wunsch, als Teil der Gesellschaft wahrgenommen, wertgeschätzt, respektiert und einbezogen zu werden – unabhängig vom Geschlecht, der Geschlechtsidentität oder der sexuellen Orientierung einer Person», gab eine Hearing-Teilnehmerin zu bedenken.

Neue und ausgebaute Angebote

Die Fachstelle erteilt Auskünfte und bietet Beratung an zu Gleichstellungsfragen für Personen, die in der Stadt Bern leben und/oder arbeiten sowie für Mitarbeiter*innen, Vorgesetzte und Personalverantwortliche der Stadtverwaltung, neu auch zu LGBTIQ-Themen. Sie informiert über Angebote, vernetzt, vermittelt Kontakte und arbeitet eng mit anderen Fach- und Beratungsstellen sowie den lokalen LGBTIQ-Organisationen zusammen.

Mit dem Aktionsmonat gegen Homo-, Trans- und Interfeindlichkeit «LIKEƎVERYONE»  legt die Stadt Bern 2020 den Fokus auf den Kinder- und Jugendbereich. Jugendarbeiter*innen und Jugendliche in den städtischen Jugendtreffs werden sich mit LGBTIQ-Themen auseinandersetzen mit dem Ziel, durch die direkte Begegnung mit queeren Jugendlichen Berührungsängste und Vorurteile abzubauen. Fachpersonen aus dem Kinder-und Jugendbereich der Stadt Bern erwerben grundlegende Kompetenzen für den professionellen Umgang mit Geschlechtervielfalt, Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierungen.

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