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«Bio-divers» (2021)

«Natur braucht Stadt – Mehr Biodiversität in Bern» ist 2021 das Motto des Themenjahres von Stadtgrün und Botanischem Garten Bern. Daran beteiligt sich die Kommission Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) mit drei Kunstprojekten, die sich mit unterschiedlichen Mitteln und Strategien mit dem Thema Biodiversität und deren Förderung in der Stadt Bern auseinandersetzen.

«Gläuf zum Bundeshaus» von Christian Ratti

Gewöhnlich haben Insekten in Politik und Gesellschaft nicht viel zu melden. Das soll im Kunstprojekt «Gläuf zum Bundeshus» zum Themenjahr «Natur braucht Stadt – Mehr Biodiversität in Bern» etwas anders sein: Die Insekten demonstrieren für den Erhalt ihrer Art.

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Mit etwas Fantasie lässt es sich leicht ausmalen: Wildtiere machen sich auf, um sich vor dem Bundeshaus in Bern zu versammeln und für den Erhalt ihrer Lebensräume zu demonstrieren. «Liesse sich das tatsächlich inszenieren?» fragte sich der Künstler Christian Ratti. Dank Schenkungen aus alten Museumsbeständen und von Tierpräparatoren mit winzigen Schildern, Fahnen und Transparenten ausgestattet, kommen Anfang Juni ein Zaunkönig, zwei Libellen, Schmetterlinge, Hummeln, Käfer und eine ganze Reihe anderer Tiere auf die Berner Strassen.

Sechsbeiner sind bei diesem «Gläuf» gut vertreten, schliesslich sind 50 Prozent aller wissenschaftlich beschriebenen Arten Insekten. Am Samstag, 5. Juni, ziehen alle vereint über die Kirchenfeldbrücke und demonstrieren für ihre Zukunft in Vielfalt. In den Folgetagen verlangsamt sich die Bewegung, rastet vor dem Rathaus (6./7. Juni) und erstarrt schliesslich – als stummes Zeugnis der «Nature Morte» – bis Ende Juni im Durchgang des Zytglogge-Turms, unter dem Schutz des von Victor Surbek 1930 auf die Westfassade gemalten Chronos, der in Personifikation des Zeitlichen eine Sense schwingt.

Um Initiativen zum Erhalt der städtischen Artenvielfalt geht es in Bern den ganzen Sommer. Unter dem Motto «Natur braucht Stadt – Mehr Biodiversität in Bern» bieten Stadtgrün Bern und der Botanische Garten der Bevölkerung ein breitgefächertes Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm, darunter auch sieben Stadtspaziergänge zu naturnahen Lebensräumen.

Die Mikro-Demo der Insekten

Die Insekten sind Anfang Juni ohne Ankündigung in der Stadt Bern unterwegs - auf der Kirchenfeldbrücke und am Bärenpark, auf Rathaus- und Bundesplatz und unter den Lauben. Danach sind sie bis Ende Juni zu sehen im Zytglogge-Schaufenster.

Die Produktion wird unterstützt von der Fachstelle Natur und Ökologie der Stadt Bern, durch Insektenkundige (Oliver Seitz, Adrienne Frei, Michael Gilgen, Seraina Klopfstein und André Rey), den Entomologischen Verein Bern, die naturhistorischen Museen von Basel, Bern und Lausanne und den Verein Museen Bern.

Das Kunstprojekt «Nischen» von Tine Melzer

Mit dem Start des Themenjahrs «Natur braucht Stadt – Mehr Biodiversität in Bern» zur Förderung der Biodiversität in der Stadt Bern eröffnet am 22. April 2021 das Projekt «Nischen». Entlang der Stadtspaziergänge des Themenjahrs und rund um die Kleine Schanze und Bundesterrasse, den Rosengarten, die Kornhausbrücke, den Helvetiaplatz und das Zentrum Paul Klee finden sich über den Sommer 2021 neunzig Emailtafeln mit Texten der Konzept- und Sprachkünstlerin Tine Melzer.

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Biodiversität und (Arten-)Vielfalt sind Phänomene, die neben der biologisch-nachhaltigen Perspektive auch politisch und kulturell Bedeutung haben. Das Themenjahr «Natur braucht Stadt – Mehr Biodiversität in Bern» will Lebensraum schützen, bewahren und (re-)generieren, in dem Vielfalt der Natur möglich und sichtbar wird. Diese Sichtbarmachung ist kein rein biologisches, sondern auch ein sozio-politisches Anliegen, um den im Lebensraum anwesenden Menschen Einsicht in die Notwendigkeit der Artenvielfalt zu geben und die geistige Haltung zu verändern, wie wir über Schönheit, Wert und Nutzen der Natur nachdenken und sprechen.

Die Schilder der Künstlerin Tine Melzer sind entlang von sieben Spaziergängen zum Themenjahr gesetzt, welche naturnahen Lebensräumen ein Gesicht geben. Die Spaziergänge zeigen auf, wie Plätze aussehen, wo die Tiere und Pflanzen leben. Sie wollen damit der Bevölkerung eine Grundlage geben, selber im Garten, im Vorgarten, oder auf dem Balkon ähnliches anzulegen und damit aktiv die Natur mit zu fördern. Einige der knappen Sätze und Wortreihen von Tine Melzer benennen seltene und vom Aussterben bedrohte Arten in Bern (Flora, Fauna, Pilze) und setzen sie in Bezug zu den spazierenden Menschen. Die Poesie dieser Eigennamen erschafft eigene Wortfelder und Bilder - und ruft diese Kreaturen in der Vorstellungskraft der Menschen mitten im Stadtraum hervor. Die Sätze heben Einmaliges hervor, ohne belehrend zu wirken.

Der Wert von bedrohten Tier- und Pflanzen-Arten ist oft versteckt, ihre «Schönheit» nicht unmittelbar der Konvention entsprechend – und sie treiben sich in Nischen herum. Die Nische bezeichnet in der Biologie die Bedingung, unter welchen sich ein Lebewesen erhalten und fortpflanzen kann. Das Wort Nische verspricht zugleich Schutz und Sicherheit. Auch für Menschen bietet die Stadt Nischen: kleine gemütliche und notwendige Orte. Nischen sind Stellen, an denen man oft unaufmerksam vorbeigeht: sie sind leicht zu übersehen, heterogen, an überraschenden Orten. Nischen sind gleichzeitig überall und nirgends. Nischen werden gefunden, nicht gesucht. Wie Nischen überraschen Tine Melzers Texttafeln mit oft mehrdeutigen Aussagen.  

Vielfalt bedeutet, so die Künstlerin, das Nebeneinander und das zufällige Aufeinandertreffen von Verschiedenem. In menschlichen Gemeinschaften sind es sichtbare Lebensformen, die der eigenen nicht immer entsprechen. Vielfalt steht für das Andere, das Neue, das Unbekannte und macht die eigene Einzigartigkeit deutlich. Niemand ist alles gleichzeitig; Unterschiede machen eine vielfältige und dadurch wertvolle Welt aus. Vielfalt ist ein eigenständiger Wert, der Toleranz, Neugier und Gelassenheit erfordert. 

Vielfalt interessiert die Künstlerin hier in zweierlei Hinsicht: als Biodiversität, aber auch als Vielfalt der Sichtweisen und Deutungen. Ohne Biodiversität wird der Mensch nicht dauerhaft überleben. Ohne Mehrdeutigkeit wird der Mensch kulturell verarmen. Die Bedeutung von Sätzen erschliesst sich jeder Leser und jede Leserin individuell– und unterschiedlich, zum Beispiel je nach Kontext und Vorkenntnissen. Sie können die Lesenden die Stadt neu und anders sehen und erleben lassen. Mit dem Projekt «Nischen» will Tine Melzer solche Begegnungen allen Spaziergängern, Passantinnen, Joggern und Hundebesitzerinnen ermöglichen. 

Die Produktion wird unterstützt durch die Fachstelle Natur und Ökologie der Stadt Bern, EWB, Luk Wartenweiler (Werkstatt Tscharnergut) und David Zürcher. Die Schilder sind entlang der Stadtspaziergänge des Themenjahres zu entdecken und rund um die Kleine Schanze und Bundesterrasse, den Rosengarten, die Kornhausbrücke, den Helvetiaplatz und das Zentrum Paul Klee.

Ein drittes Projekt von Roland Roos

Drei parallele Kunstprojekte sollen die Vielseitigkeit künstlerischer Ansätze zum Thema Biodiversität aufzeigen. Dafür wurde als dritter Kunstschaffender Roland Roos eingeladen, der sein Projekt für den Herbst 2021 vorbereitet.

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