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Das Wandbild Wylergut Bern als Beispiel (seit 2019)

In einem Berner Schulhaus zeigt ein Wandalphabet Bilder, die heute als rassistisch geprägte Stereotypen wahrgenommen werden. Die Stadt Bern hat 2019/2020 einen Wettbewerb durchgeführt, um die Arbeit kritisch und zeitgemäss einzuordnen. Die Fachjury hat nun entschieden, dass das Projekt mit dem Titel «Das Wandbild muss weg!» weiterverfolgt werden soll. Demnach soll das Wandbild aus der Schule entfernt und in ein Museum verlegt werden. Zum Auftakt der Aktionswoche gegen Rassismus 2021 wurden die Resultate des Wettbewerbs öffentlich präsentiert.

Bild Legende:
Wandbild im Schulhaus Wylergut 1949. Foto: Attila Janes

Eine Wandmalerei im Berner Schulhaus Wylergut von 1949 zeigt ein Alphabet, welches die Buchstabenfolge mit Gegenständen, Tier- und Pflanzenarten illustriert, aber auch mit drei stereotypen Darstellungen je eines chinesischen, eines afrikanischen und eines amerikanisch-indigenen Menschen. Das Werk der Künstler Eugen Jordi (1894 - 1983) und Emil Zbinden (1908 - 1991) ist ein Ausdruck der damaligen Kultur, die Menschen nach Hautfarben einteilte.

Um dieses historische Wandbild kritisch neu zu verorten, hat eine Fachjury im Auftrag der Stadt Bern 2020 in einem Wettbewerbsverfahren fünf Projektvorschläge erarbeiten lassen. Auf die einstimmige Empfehlung der Jury hin hat sich die Kommission für Kunst im öffentlichen Raum nun für das Projekt «Das Wandbild muss weg!» von Ashkira Darman (Gymnasiallehrerin Geschichte), Fatima Moumouni (Spoken Word Poetin), Vera Ryser (Kuratorin), Bernhard Schär (Historiker) und Angela Wittwer (Künstlerin) entschieden. Das Projektteam hält fest, dass eine Primarschule kein geeigneter Ort für das Wandbild sei; hier entziehe es sich der dringenden, gesamtgesellschaftlich zu führenden Debatte über den Umgang mit dem kolonialen Erbe. Daher soll das Wandbild von der aktuellen Stelle entfernt und an ein Museum übergeben werden.

Verlegung begleitet von Workshops

Mit der Schenkung an ein Museum soll eine Praxis der kritischen Aufarbeitung der Berner Kolonialgeschichte initiiert werden, zum Beispiel in Form einer Ausstellung. Das Projektteam plant zudem Workshops für Lehrkräfte und öffentliche Veranstaltungen. Der Wettbewerbsbeitrag umfasst eine gesellschaftliche und schulinterne Auseinandersetzung, die der Entfernung vorangehen müssten, die restauratorische Projektierung der Entfernung des Wandbildes und deren Dokumentation. Auf einer Website entsteht ein «Archiv mit Materialien zur Entstehung, Entfernung und Rekontextualisierung des Wandbildes für verschiedene Altersstufen».

Nach Entfernung des Wandbildes wird im Schulhaus eine temporäre künstlerische Installation auf die Webdokumentation verweisen und so den Erinnerungs- und Verlernensprozess im Schulhaus begleiten. Sie wird im Dialog mit Rassismus-betroffenen Menschen, dem begleitenden Kommissionsmitglied, der Eigentümervertretung, der Schulleitung und den Erben der Künstler entwickelt.

Historisches Museum zeigt Interesse

In ersten Gesprächen zeigte das Bernische Historische Museum Interesse an einer Aufnahme des Werks in die Sammlung und an einer Vermittlung des mit dem Wandbild verbundenen Themenfächers. Im Rahmen einer Masterarbeit vom Fachbereich Konservierung und Restaurierung der Berner Fachhochschule wird die Malerei untersucht und die technischen Möglichkeiten einer Dislozierung erarbeitet.

Zudem will das Projekt in Zusammenarbeit mit weiteren Expertinnen und Experten eine allgemeine Anleitung für Lehrpersonen aller Stufen für einen Unterricht mit diskriminierungsfreien Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen. Vor Ort im Schulhaus Wylergut bietet das Projektteam den Lehrpersonen eine Auseinandersetzung mit dem Wandbild an.

Breite öffentliche Diskussion soll folgen

Die Fachjury der städtischen Kommission für Kunst im öffentlichen Raum entschied sich einstimmig für das Siegerprojekt. Dieses verlange von seinen Autorinnen und Autoren, aber auch von der Stadt als Auftraggeberin und der Öffentlichkeit einen grossen Einsatz. Mit diesem Projekt geht ein Aufruf einher, sich mit der kollektiven Verantwortung für historische Bilder und Objekte in öffentlichen Räumen auseinanderzusetzen. Die Diskussion um rassistische Stereotypisierungen, die Kontextualisierung historischer Artefakte der kolonialen Geschichte der Schweiz sowie deren Wirkmacht im heutigen Alltag soll so in der breiten und in der fachlichen Öffentlichkeit geführt werden und nicht nur im – letztlich durch einen historischen Zufall ausgewählten – Primarschulhaus.

Dokumentation

Die für März 2020 geplanten öffentlichen Präsentationen der Wettbewerbsbeiträge konnten Pandemie-bedingt erst im Herbst 2020 stattfinden. Die Präsentationen des Wettbewerbs sind online dokumentiert. Die fünf Projektteams stellten ihre Vorschläge am 19. August 2020 und am 5. September 2020 im Kornhausforum vor. In der Zwischenzeit wurde das Wandbild in einer anonymen Aktion teilweise schwarz übermalt. Nach einer weiteren Überarbeitungsrunde erfolgte die öffentliche Bekanntgabe des Siegerteams und von dessen Projektidee am 20. März 2021 im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus. Auf einer Website des Projektteams werden im Laufe des Projektes weitere Unterlagen gesammelt: www.daswandbildmussweg.ch.

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