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Abrechnungstätigkeit der Bauherren

Die Bauherren waren bei der Finanzierung von Bauvorhaben auf Zuschüsse aus anderen Kassen sowie auf Steuereinnahmen angewiesen.

Bauherren (Bauherren) und Säckelmeister (Säckelmeister) besassen seit dem 14. Jahrhundert eine eigene Rechnungsführung. Während aber der Säckelmeister seine Rechnungen am 24. Juni (St. Johannestag) und am 25. Dezember (St. Stefanstag) dem Rat präsentierte, wurden die Bauherren im Jahre 1436 angewiesen, zusammen mit den drei Kirchenpflegern von St. Vinzenz (Kirchenpfleger von St. Vinzenz) alle vier Fronfasten vor dem Rat abzurechnen.[1] In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts scheinen die Bauherren ihre Rechnungen dann aber nur noch zweimal im Jahr einige Tage nach dem Säckelmeister offengelegt zu haben.[2] Die für die Stadtverwaltung entscheidende Rechnungsablage der Bauverwaltung fand jedoch seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert nur einmal im Jahr in der Woche um den 25. Juli (St. Jakobstag) statt. In dieser Woche legten die Bauherren dem Säckelmeister im Beisein von Schultheiss und Rat (Schultheiss und Rat) ihre Jahresbilanzen vor, die dann zusammen mit den Bilanzen der übrigen städtischen Rechnungsherren in den städtischen Bilanzenrechnungen aufgezeichnet wurden.

Bauen kostet Geld

Während grössere kommunale Bauprojekte nur mit der Aufnahme von Fremdkapital oder der Erhebung ausserordentlicher Steuern finanziert werden konnten, wurden kleinere Bauvorhaben sowie der laufende Unterhalt des städtischen Baubestands weitgehend aus dem ordentlichen Stadthaushalt beglichen. Die Baufinanzierung verlief in erster Linie über die ordentlichen Haushalte des Säckel- und Bauherrenamts sowie über die Überschussrechnungen der städtischen Ungeldner und Böspfenniger. Je nach Wirtschaftslage flossen der Bauverwaltung ausserdem Getreideüberschüsse aus den Landvogteien oder Gewinne aus der Zoll- und Salzkasse zu. Das Bauherrenamt konnte sich trotz eigener Rechnungsführung und eigenen Einkünften aber nur zu einem geringen Teil selbst finanzieren. Die Bauherren blieben deshalb auch nach der Umgestaltung der Baubehörde in einen städtischen Regiebetrieb (Städtischer Regiebetrieb) weitgehend auf Beitragszahlungen vor allem aus der Stadtkasse angewiesen. Die Bauzuschüsse aus dem Stadtsäckel wurden seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts jedoch zusammen mit den Eigeneinkünften des Bauherrenamts von einem speziellen Bauherrenschreiber (Bauamtspersonal) in separaten Rechnungsrödeln niedergeschrieben, sodass von einer Differenzierung in der Rechnungsführung zwischen Säckel- und Bauherrenamt gesprochen werden kann. Die Säckelmeister beteiligten sich ausserdem weiterhin mit direkten Zahlungen am kommunalen Bauaufwand, sodass die seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bruchstückhaft überlieferten Säckelmeisterrechnungen die vom Rat finanzierten Baumassnahmen in ähnlicher Weise widerspiegeln wie die Bauamtsrechungen, von denen sich aus dem Mittelalter jedoch nur ein Fragment erhalten blieb.[3]

Der Bauaufwand des Bauherrn vom Rat

Die von 1435 bis 1474 in Serie überlieferten Bilanzenrechnungen weisen für die Ausgaberechnung des Bauherrn vom Rat für die Jahre 1435 bis 1455 eine ähnliche Ausgabenentwicklung auf wie die Säckelmeisterrechnungen für die Bauaufwendungen des Säckelmeisters. Es zeigen sich bei beiden Rechnungen deutliche Ausgabenspitzen in den Jahren 1436/37 und 1446/47. Langfristig ist beim Bauherrn vom Rat ein Anwachsen der jährlichen Bauaufwendungen zwischen 1435 und 1474 festzustellen. Während die durchschnittlichen Bauausgaben des Bauherrn vom Rat 1435 bis 1442 bei ausgeglichener Rechnung jährlich noch rund 690 Gulden betrugen, wuchsen diese bis 1454 auf durchschnittlich etwa 1100 Gulden an. Die städtische Restschuld (Restanz) zugunsten des Bauherrn vom Rat vergrösserte sich gleichzeitig auf insgesamt 1300 Gulden. Im Jahre 1454 wurde der noch ausstehende Schuldbetrag vom Rat schliesslich beglichen, sodass die Rechnung des Bauherrn vom Rat wieder ausgeglichen erschien. Gleichzeitig nahm die Stadt jedoch bedeutende Ausbauarbeiten an den Westbefestigungen (Stadtbefestigungen) in Angriff, die in den Jahren 1456 und 1457 sogar zur Wahl eines ausserordentlichen Bauherren, des Äusseren Bauherren Kaspar vom Stein, führten. Die durchschnittlichen Jahresausgaben des Bauherrn vom Rat wuchsen dadurch von 1455 bis 1471 auf rund 1470 Gulden an. Auch die Schuld der Stadt gegenüber dem Bauherrenamt erreichte im Jahre 1468 mit fast 2100 Gulden ihren vergleichsweise höchsten Betrag, um aber bis 1474 durch Zuschüsse aus anderen städtischen Kassen wieder weitgehend ausgeglichen zu werden. Im Vorfeld der Burgunderkriege verringerte sich der jährliche Bauaufwand des Bauherrn vom Rat zwischen 1472 und 1474 auf den Minimalbetrag von durchschnittlich rund 470 Gulden.

Thüring Fricker beziffert den Bauaufwand der Stadt 1473 auf über 31‘000 Gulden

Die Bautätigkeit der Stadt Bern nahm gemäss der Ausgabenkonjunktur des Bauherrn vom Rat in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gegenüber der ersten Jahrhunderthälfte deutlich zu. Diese verstärkte kommunale Bautätigkeit wird durch den Stadtschreiber (Stadtschreiber und Kanzlei) Thüring Fricker bestätigt, der sich im Jahre 1473 darüber beklagte, dass die seit der Mitte des 15. Jahrhunderts durchgeführten Bauvorhaben inner- und ausserhalb der Stadt wesentlich zur aktuellen städtischen Verschuldung von rund 23'000 Gulden beigetragen hätten. Er machte dazu eine Zusammenstellung der wichtigsten zwischen 1458 und 1473 von der Stadt finanzierten Baumassnahmen und schätzte deren Gesamtkosten auf über 62'000 Pfund oder umgerechnet 31‘000 Gulden.[4] Die Bauaufwendungen verteilen sich laut Frickers Zusammenstellung zu rund 53 Prozent auf die Landschaft und nur zu 47 Prozent auf die Stadt. Die Bautätigkeit in der Landschaft war insbesondere durch diverse Brückenneu- und umbauten gekennzeichnet, die alle im Unterschied zu ihren Vorgängerbauten über steinernen Brückenpfeilern errichtet wurden. Als wichtigste Bauvorhaben nennt Thüring Fricker die Saanebrücken bei Gümmenen und Laupen (Laupen) sowie die Aarebrücken bei Aarberg (Aarberg), Aarwangen (Aarwangen), Neubrück und Wangen (Wangen an der Aare) sowie die Brücke in Nidau (Nidau). Weitere ländliche Bauaufwendungen entstanden der Stadt im Umbau einzelner Landvogteischlösser und in der Sanierung der Befestigungsanlagen verschiedener bernischer Landstädte. Je 2‘200 Gulden flossen allein nach Wimmis und Aarburg. Aber auch in den oberländischen Städten Thun (Thun) und Unterseen (Unterseen) sowie in den beiden Landvogteischlössern Lenzburg (Lenzburg) und Grasburg (Grasburg) wurden grössere Baumassnahmen durchgeführt.

Ähnlich der Landschaft wurden auch die Bauaufwendungen in der Stadt von einem Brückenbau dominiert. Allein der Umbau der Untertorbrücke, die nach 1460 vollständig in Stein neu aufgeführt wurde, kostete über 5‘500 Gulden.[5] Mit weiteren 3‘300 Gulden waren der Neu- und Umbau der städtischen Wassermühlen im Marzili und der Aareschwelle (Mattenmühlen und Aareschwelle) die nächst grösseren Bauausgaben in der Stadt. Die restlichen Gelder fanden Verwendung für diverse Ausbauten an den Westbefestigungen wie der beiden Bollwerke am Marzili und in der so genannten Zilstatt, dem Spitaltor, den Mauertürmen und der Stadtmauer sowie für den Neubau der beiden städtischen Ziegelhöfe, des Nachrichter- und Frauenhauses (Nachrichter- und Frauenhaus), der Niederen Fleischschal (Obere und Niedere Fleischschal) sowie des Beinhauses bei St. Vinzenz (Pfarrkirche von St. Vinzenz).[6] Gleichzeitig wurden die Niedere Brotschal (Obere und Niedere Brotschal) und die Gerberhäuser am Stalden, in der Marktgasse und in der Neustadt abgebrochen (Gewerbehaus der Gerber) und an anderen Orten in der Stadt teilweise wieder neu aufgebaut. Kleinere Beträge gingen ausserdem an den Unterhalt des Stadtbachs (Stadtbach) und des Zygloggenturms.[7] Nach 1475 scheint der Rat neben dem 1479 begonnenen Neubau der Münsterplattform (Münsterplattform) und den Reparaturarbeiten nach den Unwettern von 1480 als weitere grössere Baumassnahme nur noch die Untertorbrücke mit zwei befestigten Torbögen versehen zu haben.[8] Die 1487 unternommenen Ausbauarbeiten an der Aarebrücke wurden vom Stadtwerkmeister (Stadtwerkmeister) Lienhard Hübschi geleitet, der vor seiner Anstellung durch die Stadt 1483 bis 1487 bereits den Umbau der Franziskanerkirche (Franziskanerkirche) geleitet hatte.[9]

Roland Gerber, 21.07.2018



[1]       SSRQ Bern Stadt I/2, Nr. 82, S. 40:; sowie SSRQ Bern Stadt I/1, Nr. 92, S. 75.

[2]       SSRQ Bern Stadt I/2, S. 97 (Amtseid der Bauherren von 1473).

[3]       Bauherrenbüchlein, Staatsarchiv Bern, A V 1383, Nr. 259.

[4]       Karl Howald (Hg.): Dr. Thüring Fricker’s Aufzeichnungen über bernische Finanzen und Bauten, in: Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern 9 (1877), S. 200-208.

[5]       Im Winter 1461 wurde unter grossen Mühen der erste steinerne Pfeiler bei der Untertorbrücke gesetzt; Gottlieb Studer (Hg.): Benedicht Tschachtlans Berner Chronik 1424-1470, nebst den Zusätzen des Diebold Schilling, in: Quellen zur Schweizer Geschichte 1, Basel 1877, S. 189-298, hier Nr. 26.

[6]       Die Bauarbeiten fanden im Jahr 1468 statt; Gustav Tobler (Hg.): Die Berner Chronik des Diebold Schilling 1468-1484, 2 Bde., Bern 1897/1901, hier Nr. 36.

[7]       Zur Baugeschichte des Zeitglockenturms vgl. Hans Morgenthaler: Bilder aus der älteren Geschichte der Stadt Bern, Bern 1935 (2. Auflage), S. 129-135.

[8]       Die Berner Chronik des Valerius Anshelm, 6 Bde., Bern 1884-1901, hier Bd. 1, S. 323. Zu den im 15. Jahrhundert in Bern errichteten Hauptbauten vgl. ausserdem Eduard von Rodt: Bern im fünfzehnten Jahrhundert, Bern 1905, S. 71-84.

[9]       Gustav Tobler (Hg.): Die Berner Chronik des Diebold Schilling 1468-1484, 2 Bde., Bern 1897/1901, hier Nr. 417.

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