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Münzstätte

Die Münzstätte befand sich im 15. Jahrhundert direkt neben dem Rathaus.

Obwohl Kaiser Friedrich II. den Berner Bürgern bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts das Recht gewährte, eigene Silbermünzen zu prägen, ist der Standort der ältesten Münzstätte nicht bekannt.[1] Im 15. Jahrhundert befand sich diese dann direkt neben dem zwischen 1406 und 1417 erbauten Rathaus (Rathaus).[2] Das Münzrecht war wie der Zoll oder das Geleit (Kauf- und Zollhaus) ein Regal, das im Verlauf des 14. Jahrhunderts in mehreren Etappen von deutschen Königen an die Stadtgemeinde übertragen wurde.[3] Spätestens seit 1377 besass der Rat die alleinige Verantwortung über die in Bern hergestellten Silberpfennige, deren Feingehalt er jeweils in verschiedenen Münzordnungen festlegte (Währungsverhältnisse).[4] Für die Leitung der Münzwerkstätte war der Münzmeister (Münzmeister) verantwortlich. Dieser war verpflichtet, nach einem vorgegebenen Münzfuss zu prägen.[5] Die Gewinne aus dem Schlagschatz gehörten dem Rat, der die Beschaffung der zur Münzprägung notwendigen Edelmetalle seit dem 13. Jahrhundert einzelnen Bürgern übertrug.

Reichtum durch den Handel mit Edelmetallen

Der Handel mit Edelmetallen entwickelte sich für einzelne Familien zum Ausgangspunkt, um zu grossem Reichtum (Vermögensentwicklung) und politischem Einfluss (Etablierung der Ratsherrschaft) zu gelangen. Im 13. und 14. Jahrhundert verstanden es vor allem die Familien Münzer (Münzer) und von Seedorf ihre Tätigkeit in der städtischen Münzwerkstatt sowie die damit verbundenen Handels- und Kreditgeschäfte dazu zu nutzen, in Konkurrenz zu alteingesessenen Adelsgeschlechtern (Adels- und Notabelngeschlechter) in den Kreis der führenden Ratsgeschlechter aufzusteigen.[6] 1298 und 1354 stellten die beiden Familien mit Konrad und Laurenz Münzer sowie mit Peter von Seedorf die ersten nichtadligen Schultheissen Berns nach der Verfassungsreform von 1294 (Verfassungsreform von 1294).[7] Im 15. Jahrhundert erwarb dann die Familie Motz ein ansehnliches Vermögen im Dienste der Stadt. Der von ausserhalb der Stadt berufene Konrad Motz ist zwischen 1421 und 1435 als Münzmeister belegt. Nach seinem Tod 1436 lösten ihn seine Söhne, Thomas und Bernhard, im Amt des Münzmeisters ab. Thomas versteuerte 1458 ein Vermögen von 7'000 Gulden, und Bernhard ist seit 1466 in der städtischen Münzwerkstatt tätig.[8]

Roland Gerber, 10.02.2018



[1]    Hans-Ulrich Giger: Berns Münz- und Geldgeschichte im Mittelalter (Schriften des Bernischen Historischen Museums 12), Bern 2014, S. 21.

[2]    Ebda., S. 110.

[3]    Zur bernischen Münzgeschichte vgl. auch Hans Morgenthaler: Bilder aus der älteren Geschichte der Stadt Bern, Bern 1935 (2. Auflage), S. 59-64; sowie Hans-Ulrich Geiger: Berns Münzprägung im Mittelalter. Ein Forschungsbericht, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 59 (1997), S. 309-323.

[4]    Vgl. dazu die Münzordnungen von 1421 in SSRQ Bern IX, Nr. 112, S. 230, und von 1436, 1453, und 1466 in SSRQ Bern I/2, Nr. 4-7, S. 1-4.

[5]    Vgl. dazu den Bestallungsvertrag von Peter Lüllevogel in FRB/9, Nr. 867, S. 404-406 (9. August 1377).

[6]    Roland Gerber: Münzer contra Bubenberg. Verwandtschaften und Faktionen im Berner Rat zu Beginn des 14. Jahrhunderts, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 68 (2006), S. 179-234.

[7]    Im Jahr 1227 wird mit berctoldus piscator causidicus in Berno der wahrscheinlich erste nichtadlige Schultheiss Berns in einer Urkunde genannt; FRB/2, Nr. 71, S. 82f.

[8]    Friedrich Emil Welti (Hg.): Das Tellbuch der Stadt Bern aus dem Jahre 1458, in: Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern 33 (1936), S. 487-575, hier 492.

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