Navigieren auf Stadt Bern

Benutzerspezifische Werkzeuge

Content navigation

Marktordnungen und Marktzwang

Mit der Einführung des Marktzwangs wurden die Bauern angehalten, ihre Produkte ausschliesslich auf städtischen Märkten zum Verkauf anzubieten.

Der Rat war schon früh darum bemüht, den Verkauf und Handel von Waren auf die Märkte (Märkte) innerhalb der Stadtmauern zu konzentrieren. Vor allem wollte er verhindern, dass Krämer den Bauern vor die Stadtmauern entgegenzogen, um ihre Waren noch vor dem Erreichen des Marktes zu kaufen. 1357 verordneten deshalb Schultheiss und Rat, dass innerhalb einer Meile rund um die Stadt Bern keine Lebensmittel verkauft werden durften. Zudem mussten Bürger ihre innerhalb der städtischen Bannmeile produzierten Agrarprodukte ausschliesslich auf dem Stadtmarkt feil halten.[1] Grempler und Krämer hatten die Marktverordnung jährlich zu beschwören. Sie mussten sich verpflichten, ihre Handelsgeschäfte jeweils erst am Nachmittag durchzuführen, nachdem sich die Stadtbevölkerung mit ausreichend Lebensmitteln auf dem Markt versorgt hatte. Der Rat war des Weiteren bestrebt, die Handelstätigkeit der Einwohnerschaft in den Nebengassen vor allem im Bereich der Pfarrkirche und der Klöster zu verbieten oder wenigstens einzuschränken. Bereits 1353 verbot er deshalb das Ausschenken von Wein vor dem Deutschordenshaus am unteren Ausgang der Münster- und Herrengasse.[2] 1367 folgte ein Verkaufsverbot von Nahrungsmitteln wie Obst, Milchprodukten und Gemüse vor der Franziskanerkirche (Franziskanerkirche) an Sonn- und Feiertagen.[3] An Werktagen durften die Bürger hingegen weiterhin kouffen und verkouffen, als dann das von alter har ist kommen.[4]

Ausdehnung des Marktzwangs auf die Landschaft

Im Zuge der Konsolidierung des städtischen Territoriums (Konsolidierung des städtischen Herrschaftsgebiets) dehnte der Rat den Marktzwang im Verlauf des 15. Jahrhunderts schliesslich auch auf die Landschaft aus. Nachdem das Abhalten von Märkten in den Dörfern in einer Gewerbeordnung von 1464 noch erlaubt war, bestimmte der Rat 1467, dass Jahr- und Wochenmärkte (Wochenmarkt) zukünftig nur noch in Bern und in den verschiedenen Landstädten wie Aarberg, Burgdorf, Büren und Thun stattfinden durften.[5] Der Rat begründete seinen Beschluss mit dem Führungsanspruch der Berner Bürgerschaft, damit nit die glider dem houpt fürgän.

Roland Gerber, 17.02.2018



[1]    SSRQ Bern I/2, Nr. 183, S. 77f.

[2]    SSRQ Bern I/2, Nr. 194, S. 81.

[3]    SSRQ Bern I/2, Nr. 188, S. 80.

[4]    SSRQ Bern VIII/1, Nr. 8, S. 10.

[5]    Margret Graf-Fuchs: Das Gewerbe und sein Recht in der Landschaft Bern bis 1798 (Berner Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Beihefte 2), Bern 1940, S. 25; sowie Hans-Jörg Gilomen: Stadt-Land-Beziehungen in der Schweiz des Spätmittelers, in: Itinera 19 (1998), S. 10-48, hier 20-22.

Weitere Informationen.

Fusszeile