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Reinhold Rosners städtebaulichen Utopien

30. Oktober 2018

In den 1920er Jahren wollte Reinhold Rosner die Stadt Bern in eine Metropole verwandeln. Altbauten, Altstadthäuser, die heute zum Weltkulturerbe gehören, sollten seinen Visionen weichen.

General Rosner

Der 1868 in Preussen geborene Rosner betrieb in der Altstadt an der Brunngasse ein Logierhaus mit Kaffeewirtschaft und eine „Nähmaschinen-Reparatur“. Da er gerne Uniformen trug, erhielt er den Spitznamen «General». Er wollte aus der Bundesstadt ein «Gross-Bern» schaffen. Dazu investierte er viel Zeit und Geld in Pläne zu utopischen Projekten. Er engagierte eigens Zeichner, die seine Utopien visualisierten. 1926 veröffentlichte er seine fast 70 Seiten umfassende Broschüre, in der er einen neuen Bahnhof  und weitere Projekte vorstellte. Nach seinem Tod 1937 blieb er als Berner Original in der Erinnerung der Bernerinnen und Berner.

Ein neuer Bahnhof und andere hochtrabende Pläne

Bern, Dreh- und Angelpunkt der Welt

Um seine Utopie eines Gross-Bern umzusetzen, plante er einen Bahnhof mit 21 Gleisen und einer unterirdischen Zufahrt sowie einem überirdischen Monumentalbau. Selbst Details flossen in seine Planung mit ein. So sollte die Beschriftung des Bahnhofs in den drei Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch sowie in Englisch und eventuell Esperanto vorgenommen werden.

Freie Fahrt quer durch die Altstadt

Der private Verkehr sollte durch die Stadt fliessen. Er bemängelte, dass die untere Altstadt fast ganz vom Verkehr abgeschnitten war. Er wollte eine Verkehrsverbindung zwischen der Brunngasse und dem Berner Münster schaffen. Um das zu realisieren, sollten Altstadthäuser abgerissen werden. Zwei neue Brücken südlich und nördlich der Nydeggbrücke sollten mit einem erhöhten Boulevard über der Gerechtigkeitsgasse verbunden werden.

Die Stadtverwaltung an einem Standort

Am Kornhausplatz wollte er ein grosses Gebäude für die Stadtverwaltung errichten, eine Idee, die auch in heutiger Zeit gelegentlich auftaucht.

Markthalle als Prestigeobjekt

Eines seiner Lieblingsprojekte war eine riesige Markthalle an der Schüttestrasse mit imposanten 200‘000 bis 300‘000 Quadratmetern, über die die Kornhausbrücke führen sollte.

Internationaler Flughafen

Auch ein internationaler Flughafen durfte in einer Metropole, wie sie Rosner vorschwebte, nicht fehlen. Errichtet werden sollte er beim Schosshaldenfriedhof.

Unbeeindruckter Gemeinderat

Trotz der Gründung der Terrain- und Baugesellschaft AG „Terag“ nahmen die utopischen Ideen keine konkrete Gestalt an. Deshalb wandte sich Rosner mit einem Angebot an den Berner Gemeinderat. Er forderte 170‘000 Franken für sein „geistiges Eigentum“ und wollte so die Rechte an seinen Plänen der Stadt überlassen. Der Gemeinderat würdigte sein Angebot lediglich mit einigen dürftigen Zeilen und lehnte es kategorisch ab. Dennoch war Rosner bis zu seinem Tod überzeugt, dass seine Utopien die Zukunft Berns darstellen würden.

Rosner und Le Corbusier

Fast zeitgleich mit Rosner entwickelte Le Corbusier für Paris seine urbane Utopie «Plan Voisin». Grosse Teile der Altstadt am rechten Seineufer hätten 18 Hochhäusern mit sechzig Stockwerken weichen müssen. Um die Wichtigkeit des Privatverkehrs zu unterstreichen, sollte der Stadtteil mit einer breiten Strasse erschlossen werden, eine Parallele zu Rosner, der den Verkehr in der Innenstadt auch ausbauen wollte.

Was blieb von Rosners Utopien?

Es ist nichts von Rosners urbanen Utopien umgesetzt worden. Es finden sich lediglich ähnliche Lösungen bei der Realisierung des Rathausparkings und bei der unterirdischen Führung der RBS in den Bahnhof.

Verwendete Quellen

Weitere Informationen.

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