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100 Jahre Landesstreik

9. November 2018

Die Woche vom 7. bis 14. November 1918 gilt als die schwerste innenpolitische Krise seit der Gründung des Bundesstaats von 1848.

Reaktionen aus dem Berner Gemeinderat

250 000 Arbeiterinnen und Arbeiter folgten dem Streikaufruf des Oltener Aktionskomitees. Dieses forderte u.a. den Achtstundentag und das Proporzwahlrecht, das Frauenwahlrecht und eine Alters- und Invalidenversicherung. Der Streik wurde abgebrochen, ohne dass die Forderungen erfüllt worden wären. Dennoch markiert er die entscheidende Weichenstellung, denn in seiner Folge kam es zu Fortschritten bei den Arbeitsbedingungen, in der Sozialpolitik und der politischen Partizipation.

Einer der wichtigsten Wortführer der streikenden Arbeiter war der Berner Baudirektor Robert Grimm. Dieser erklärte der auf dem Waisenhausplatz versammelten Arbeiterschaft: «Wir bekennen uns zur Revolution, sind aber keine Anarchisten oder Putschisten. Wir wollen die politische Macht erobern, aber auf unblutigem Weg».

Trotz dieser mahnenden Worte erzwangen aufgebrachte Streikende in der Folge die Schliessung von Läden. Es kam zu Übergriffen und zum Aufmarsch von schwer bewaffneten Soldaten. Schliesslich organisierten sich verängstigte Berner in einer Bürgerwehr, die bis zu ihrer Auflösung 1923 bis zu 3'000 Mitglieder zählte. Im Unterschied zu Grenchen kam es jedoch zu keinen tödlichen Schüssen von Soldaten auf streikende Arbeiter. Der Gemeinderat kürzte lediglich jenen städtischen Bauamtsarbeitern, Strassenreinigern und Mitarbeitern von Strassenbahnen und Elektrizitätswerk ihren Lohn für jene Arbeitszeit, die sie an Streikkundgebungen teilgenommen hatten.

Die Meinungen, wie mit den streikenden Angestellten der Stadt umgegangen werden sollte, gingen jedoch auch im Gemeinderat auseinander. Einen interessanten Einblick in die Ereignisse im November 1918 gibt der Bericht über den «Protest- und Landesstreik» (PDF, 1.4 MB) im Verwaltungsbericht des Gemeinderats an den Stadtrat für das Jahr 1918 (SAB_GR_17_13-1919, 27-34). Die Verwaltungs- und Jahresberichte seit 1852 sind publiziert im Online-Archivkatalog

 

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