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Pfarrkirche von St. Vinzenz

Die Pfarrkirche von St. Vinzenz war das geistliche Zentrum der Stadt Bern.

Im Bereich der Münster- und Herrengasse standen mit der Pfarrkirche von St. Vinzenz, dem Deutschordenshaus und dem Franziskanerkloster (Franziskanerkirche) seit der Mitte des 13. Jahrhunderts die wichtigsten kirchlichen Bauten der zähringischen Gründungsstadt (Zähringerstadt). Hier konzentrierte sich das kirchliche Leben der Stadtgemeinde. Die Dominanz dieser geistlichen Niederlassungen hatte zur Folge, dass sich an diesen Gassen während des Spätmittelalters zahlreiche Kleriker und religiöse Gemeinschaften niederliessen, die entweder in einer sozialen Beziehung zu einer an diesen Gassen ansässigen Bürgerfamilien standen oder dem Orden der Franziskaner oder der Deutschherren angehörten. Das Tellbuch von 1448 (Telle von 1448) nennt insgesamt 17 Priester, 3 Mönche und 6 Schüler sowie 12 Beginen im Bereich der Münster- und Herrengasse.[1] Dazu kommen die Wohn- und Udelhäuser auswärtiger Kirchherren (Udelbesitz der Ausbürger), die sich ebenfalls an diesen beiden Gassen konzentrierten.[2]

Münster

Vor allem das nach 1421 erbaute Münster (Bau und Ausstattung des Münsters) bot Platz für eine Vielzahl von Kapellen und Altären, die von einer ständig wachsenden Zahl von Geistlichen betreut wurden.[3] Im Tellbuch von 1448 finden sich 9 Deutschordenspriester, ein Schüler, zwei Knechte, ein Koch, ein Karrer, eine Magd sowie bruder Hans der bettler, die das tütsche hus am Münsterplatz bewohnten.[4] Zwischen 1288 und 1453 wuchs die Zahl der von den Deutschherren zu betreuenden Altäre in der Leutkirche von fünf auf dreizehn an.[5] In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts besassen dann bereits alle Münsterkapellen eigene Altäre, sodass für weitere Altarstiftungen auf die Pfeiler des Mittelschiffs ausgewichen oder neue Kaplaneien auf bereits ausgestattete Altäre gestiftet werden mussten.[6] Während der Reformation 1528 zählte das Münster schliesslich rund 25 Altäre, die alle mit entsprechendem Pfrundbesitz ausgestattet waren.

Roland Gerber, 17.02.2018



[1]    Friedrich Emil Welti (Hg.): Das Tellbuch der Stadt Bern aus dem Jahre 1448, in: Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern 33 (1936), S. 353-486.

[2]    Udelbuch von 1389, Staatsarchiv Bern, B XIII 28, S. 42, 200 und 215.

[3]    Zur Bedeutung der Pfarrkirchen in spätmittelalterlichen Städten vgl. Johannes Zahlten: Mittelalterliche Sakralbauten der südwestdeutschen Stadt als Zeugnisse bürgerlicher Repräsentation, in: Stadt und Repräsentation, hg. von Bernhard Kirchgässner und Hans-Peter Becht (Stadt in der Geschichte 21), Sigmaringen 1995, S. 77-91.

[4]    Friedrich Emil Welti (Hg.): Das Tellbuch der Stadt Bern aus dem Jahre 1448, in: Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern 33 (1936), S. 353-486, hier 366.

[5]    Hans Morgenthaler: Bilder aus der älteren Geschichte der Stadt Bern, Bern 1935 (2. Auflage), S. 89.

[6]    Roland Gerber: Öffentliches Bauen im mittelalterlichen Bern. Verwaltungs- und finanzgeschichtliche Untersuchung über das Bauherrenamt der Stadt Bern 1300 bis 1550 (Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern 77), Bern 1994, S. 49f.

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