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Schiffländte und Schiffswerkstatt

Die Schiffländte mit zugehöriger Werkstatt an der Aare war Anlegeplatz für die Aareschiffer, wo auch ein Durchgangszoll erhoben wurde.

Ebenfalls im Besitz von Bürgerschaft und Rat befand sich seit dem 14. Jahrhundert die Schiffländte an der Aare. An dieser löschten und beluden die in Bern ansässigen Schiffer und Fischer ihre Boote und die durchfahrenden Schiffe hatten dort einen Durchgangszoll zu entrichten.[1] Die Besitzer der Schiffe bezahlten jeweils einen Jahreszins von 5 Schillingen für die Stationierung ihrer Boote an der Schiffländte.[2] Die Unterhaltspflicht der Schiffsländte lag bei den Bauherren (Bauherren). Für den Unterhalt der dazugehörigen Gebäude waren jedoch die Schiffsleute verantwortlich.[3]

An der Aare herrschte geschäftiges Treiben

Bei der Schiffländte lag der Sammelplatz für das aus dem Oberland herangeflösste Holz. Handelsgüter wie Textilien und Leder wurden von den höher gelegenen Stadtquartieren (Stadtquartiere) in die Matte (Matte) transportiert und auf Schiffe verladen. Gleichzeitig legten Schiffe an der Ländte an, die die Aare aufwärts fuhren und für die Versorgung Berns wichtige Güter wie Fisch, Wein und Getreide mit sich brachten. Die herbeigeführten Fässer und Kornsäcke mussten abgeladen, auf Karren verpackt und auf die zentralen Märkte (Märkte) in der Zähringerstadt (Zähringerstadt) gefahren werden. An der Schiffländte reihten sich ausserdem die Boote der Fischer, die ihre Netze entlang des Aareufers aufspannten, wo sie diese nach jeder Fahrt auf Schäden kontrollierten. All diese Tätigkeiten sowie das Rattern und Hämmern der Gewerbebetriebe waren von ständigem Lärm begleitet, der nur vom Getöse der Aareschwelle (Aareschwelle) noch übertroffen wurde. Konrad Justinger beklagte sich in seiner Chronik darüber, dass die Verlegung des ersten Rathauses (Rathaus) von der Junkerngasse an den nördlichen Ausgang der Kreuzgasse unter anderem auch darauf zurückzuführen gewesen sei, dass die Lage des alten Rathauses durch daz getöne von den gloggen und daz geschrey von der swely gar unlidlich were.[4]

In der Schiffswerkstatt bauen die Aareschiffer ihre Holzboote

Bei der obersten und wahrscheinlich auch ältesten Sägemühle (Säge- und Schleifmühlen), die allernechst bim wasser und einfluss deselbigen, ouch zum nechsten bim rächen und uszug der böumen ist, befand sich die Schiffswerkstatt der Aareschiffer.[5] Diese Schiffswerkstatt war wie die Getreidemühlen (Getreidemühlen in der Matte) ein städtischer Monopolbetrieb, in dem alle in Bern hergestellten Schiffe und Flösse unter der Aufsicht des Schwellenmeisters (Schwellenmeister) gebaut wurden.[6] Je nach der Grösse der neu gebauten Schiffe mussten die Schiffsleute jeweils eine kleinere oder grössere Abgabe an die Stadt entrichten.

Roland Gerber, 10.02.2018



[1]    Karl Howald: Die Gesellschaft zu Schiffleuten, in: Berner Taschenbuch (1874), S. 274-283.

[2]    Hans Morgenthaler: Bilder aus der älteren Geschichte der Stadt Bern, Bern 1935 (2. Auflage), S. 143; sowie Friedrich Emil Welti (Hg.): Die Stadtrechnungen von Bern aus den Jahren 1375-1384, Bern 18961377/I, S. 62 und 1382/I, S. 203.

[3]    Altes Bauamtsurbar I, Stadtarchiv Bern, SAB_A_1_34, fol. 24v-25r. Diese alte Sagerordnung wurde im Jahre 1540 vom Rat erneuert (Bauamtsurbar I, SAB: A 093, fol. 8v-9r). Zu Aufgaben und Pflichten der Schiffsleute vgl. ausserdem Hans Kuhn-Simon: Die Berner Zunft zu Schiffleuten, Bern 1968, S. 20-24.

[4]    Gottlieb Studer (Hg.): Die Berner Chronik des Conrad Justinger, Bern 1871, Nr. 329, S. 201f.

[5]    Hermann Rennefahrt: Aus dem alten Bauamts-Urbar der Stadt Bern, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 26 (1964), S. 93-106, hier 99.

[6]    Hans Kuhn-Simon: Die Berner Zunft zu Schiffleuten, Bern 1968, S. 20f.

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