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28. Februar 2020 | Gemeinderat, Direktionen

Einmalige Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert

Bei Sondierungsarbeiten im Haus Bärenplatz 27 sind aussergewöhnliche Wandmalereien zum Vorschein gekommen. Sie zeigen, dass auch die Häuser in der Oberen Altstadt wertvolle historische Bausubstanz zu bieten haben. Die Malereien lassen auf die gesellschaftlichen Ambitionen der ehemaligen Bewohner schliessen und öffnen ein Fenster in die Vergangenheit.

Bild Legende:
Gesamter Stammbaum (Bild: Fischer Restauratoren, Matthias Kilchofer)

Nach dem Verkauf der Liegenschaften an die Firma PSP Swiss Property nahm diese im Vorfeld der geplanten Sanierung das Gespräch mit der Denkmalpflege auf. «Wir haben beschlossen, die Häuser gründlich zu untersuchen, damit das Sanierungs- und Umbaukonzept auf eine solide Grundlage gestellt werden kann», sagt Christoph Sättler von PSP Swiss Property. Tatsächlich förderten die Sondagen aussergewöhnliche Funde zu Tage: In einem repräsentativen Raum im 3. Obergeschoss konnten ganzflächig mit Kalkfarbe bemalte Wände aus dem späten 17. Jahrhundert freigelegt werden. Es handelt sich um die Darstellung eines Familienstammbaums, welche unter anderem auch Fantasielandschaften mit Bergen und Jagdszenen mit verschiedenen Tieren zeigt. Sogar exotische und damals in Bern völlig unbekannte Dattelpalmen sind wiedergegeben.

Stammbaum des Buchbinders Christian Gerwer (1648 – 1689)

Anhand der Malerei, in denen Namen sowie Geburts- und Todesjahre festgehalten sind, sind die Auftraggeber dokumentiert: Die Darstellung zeigt den Stammbaum des Buchbinders Christian Gerwer (1648 – 1689) und seiner Frau Margaretha Zeender (Lebensdaten unbekannt). Auf einer Fenstersäule ist schliesslich auch das in Sandstein gehauene, farbig gefasste Allianzwappen der Familien Zeender und Gerwer entdeckt worden. Passend zu den Wandmalereien wurde bei den Sondierungen eine im selben Stile ausgeführte Rankendecke freigelegt. Die ganze Raumausstattung zeigt das Bestreben der damaligen Bernischen Mittelschicht, es der Oberschicht gleichzutun. «Spannend ist die Malerei gerade wegen ihrer etwas naiven Darstellungsweise. Sie ist viel freier gehalten als die uns bisher bekannten Malereien und zeigt, wie sich die Bernerinnen und Berner damals die grosse Welt vorgestellt haben», sagt der Stadtberner Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross. Offenbar hatte der unbekannte Maler nur wenig Übung in der Schaffung anspruchsvoller Ausstattungen. Weil der Auftrag zum Wandgemälde präzise einer Person zugeordnet werden kann, stellt der Fund aber ein sozial- und baugeschichtliches Zeugnis erster Güte dar, welches für die Stadt Bern einmalig ist.

Historisch wertvolle Bausubstand auch in der Oberen Altstadt

«Der Fund zeigt, dass sich auch in der Oberen Altstadt viel historisch wertvolle Bausubstanz erhalten hat. Sie besteht keineswegs nur aus Fassaden, wie es fälschlicherweise manchmal heisst», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried. Es sei wichtig, dass die Denkmalpflege der Stadt Bern bei Umbauten und Sanierungen frühzeitig beigezogen werde. So könne sie ihre Rolle als Beraterin wahrnehmen und ihr Wissen den Bauherrschaften zur Verfügung stellen: «Im UNESCO-Weltkulturerbe ist beim Bauen und Sanieren Teamarbeit gefragt, so kann mit guten Lösungen das historische Erbe erhalten werden», sagt Alec von Graffenried.

Für Jean-Daniel Gross ist die Zusammenarbeit mit Bauherrschaft, Architekten und Restauratoren bei den Gebäuden am Bärenplatz ein gutes Beispiel: «Es ist vorbildlich, dass die Liegenschaften eingehend untersucht werden konnten, bevor mit der Planung begonnen wurde. Damit wurde die Grundlage für eine vorbildliche Sanierung geschaffen.» Eine moderne Nutzung in historischer Bausubstanz schaffe Mehrwert. Gerade heute, wo die Globalisierung Unterschiede auch im Bauen zunehmend einebne, stelle die Bausubstanz in der Stadt Bern eine sehr wertvolle Ressource dar.

Die Raumausstattungen werden nun weitgehend freigelegt und restauriert. Sie sollen auch in Zukunft Zeugnis vom früheren Leben in Bern und von der reichhaltigen Geschichte der Stadt ablegen.

Wohnhäuser entstanden im Bereich der früheren Stadtbefestigung

Die Gebäude Bärenplatz 9, 11 und 27 stehen im Bereich der zweiten Stadtbefestigung, welche zwischen 1255 und 1268 unter den Savoyern entstand. Nach dem Bau der dritten Stadtbefestigung, die auch den Christoffelturm beinhaltete und zwischen 1344 und 1348 entstand, wurde die zweite Stadtbefestigung überflüssig. Das Land wurde zur Bebauung freigeben. Beidseitig der nicht mehr benötigten Stadtmauer entstanden neue Wohnhäuser. Im Jahr 1863 ist das ehemalige Wohnhaus Bärenplatz 27 zum Hotel «zum Goldenen Hahnen» umgebaut worden. Nach 1870 eröffnete hier das Restaurant Gambrinus. 1956 wurden Durchbrüche zur Liegenschaft Bärenplatz 11 erstellt und im 1. Obergeschoss die erste Pizzeria in Bern eröffnet. Die oberen Geschosse wurden bis ins Jahr 2019 als Büroräumlichkeiten genutzt.

Trotz unzähliger Umbauten blieben wertvolle historische Zeugnisse bis heute erhalten. Einiges davon trat nun bei Sondagen zutage, die im Vorfeld des geplanten Umbaus dieser Häuser unter der Leitung der Denkmalpflege vorgenommen worden sind.

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Titel Bearbeitet
Referat Alec von Graffenried (PDF, 118.5 KB) 28.02.2020

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