Interview Beat Kästli & Michael Heim
Im Frühling 2026 tritt Beat Kästli, langjähriger Gesamtprojektleiter der Quartierentwicklung Viererfeld/Mittelfeld, in den Ruhestand.
Nach sieben Jahren im Dienst der Stadt Bern geht Beat Kästli in Pension. Er ist zunächst Teamleiter Arealentwicklung gewesen, später Bereichsleiter und Gesamtprojektleiter für das Projekt Quartierentwicklung Viererfeld/Mittelfeld. Kästli hat die Quartierentwicklung wesentlich geprägt und entscheidend vorangetrieben.
Sein Nachfolger Michael Heim ist seit rund einem Jahr Teil der Projektleitung; mit dem Jahreswechsel übernimmt er die Funktion des Gesamtprojektleiters. Er freut sich darauf, das Projekt weiterzuführen und in die nächsten Phasen zu begleiten. In einem gemeinsamen Gespräch blicken die beiden auf Vergangenes zurück und sprechen über die Herausforderungen der kommenden Jahre.
Das Interview hat Sophie Quenet geführt, Junior Projektleiterin Quartierentwicklung Viererfeld/Mittelfeld.
Beat Kästli, nach vielen Jahren als Gesamtprojektleiter der Quartierentwicklung Viererfeld/Mittelfeld gehst du in den Ruhestand. Was geht dir durch den Kopf, wenn du heute auf diese Zeit zurückblickst?
Wenn ich heute zurückblicke, bin ich vor allem dankbar. An einem, für die Stadt Bern derart zentralen Projekt mitwirken zu dürfen, ist einmalig und war für mich der berufliche Höhepunkt. Ein solches Projekt kann nur im Team vorangebracht werden. Die intensive Zusammenarbeit mit vielen Menschen innerhalb und ausserhalb der Verwaltung, mit Hochs und Tiefs, werden mir in sehr guter Erinnerung bleiben und ich danke allen Kolleginnen und Kollegen dafür. Das gilt insbesondere für die vertrauensvolle und zielgerichtet Zusammenarbeit mit meinem Team bei Immobilien Stadt Bern und mit Kristina Bussmann, der Leiterin von Immobilien Stadt Bern.
Was hat dich über all die Jahre am meisten motiviert, in der Quartierentwicklung tätig zu sein?
Am meisten motiviert hat mich das anspruchsvolle Projekt. Ich konnte mich voll damit identifizieren. Jeden Tag gab es neue Themen. War eine Aufgabe erledigt, stand schon die nächste Herausforderung vor der Tür. Für mich war dies nicht Druck, sondern Motivation. Bei diesem Projekt gibt es sämtliche «Knacknüsse», die bei einer Quartierentwicklung auftreten können. Das macht das Projekt spannend und hat mich motiviert.
Welche Meilensteine oder Erfolge bleiben dir besonders in Erinnerung?
Ganz oben steht für mich die Zustimmung der Berner Stimmbevölkerung in der Volksabstimmung zu den städtischen Investitionen für das Viererfeld/Mittelfeld im 2023. Dieses Resultat hat gezeigt, dass die Stadtbevölkerung hinter der Entwicklung eines neuen, vielfältigen Quartiers steht. Ebenso prägend waren die Genehmigung des Masterplans und später die Verabschiedung des Koordinationsplans, der das städtebauliche Fundament bildet. Damit wurde klar: Das Projekt ist ernst gemeint — mit konkreten Vorgaben zur Bebauung, zu Grünräumen, Energieversorgung, Mobilität und Freiraum. Schliesslich haben mich die Beschlüsse von Gemeinderat, Stadtrat und Stimmberechtigten zur Abgabe von Baufeldern an die privaten Bauträgerschaften der ersten Bauetappe sehr gefreut.
Gibt es eine lustige oder unerwartete Situation aus deiner Zeit im Projekt, die du heute gerne erzählst?
In einem langen Projektverlauf gibt es immer wieder kleine Abenteuer. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung von frühen Zwischennutzungen zum heutigen Vorpark und dem «Z'Vieri-Container». Was anfangs etwas unkonventionell erschien, entwickelt sich seither zum beliebten Treffpunkt. Die Mischung aus Ernsthaftigkeit im Planen und dem Experimentellen in Zwischennutzungen führte zu vielen überraschenden und positiven Momenten – das bleibt in Erinnerung.
Wie hat dich die Arbeit im Projekt persönlich weitergebracht?
Die Leitung eines komplexen, vielschichtigen Projekts hat meine Perspektive auf die Entwicklung der Stadt stark geprägt. Ich habe gelernt, wie wichtig Transparenz, Dialog und Beteiligung sind — nicht nur fachlich, sondern auch sozial und kommunikativ. Die Arbeit hat mir gezeigt, wie man Visionen über lange Zeiträume trägt und Schritt für Schritt umsetzt.
Michael Heim, du arbeitest seit gut einem Jahr im Projekt Quartierentwicklung Viererfeld/Mittelfeld. Mit deiner langjährigen Erfahrung in der Projektentwicklung und Immobilienplanung bringst du die optimalen Voraussetzungen mit, um das bedeutende Stadtentwicklungsprojekt erfolgreich weiterzuführen. Wie hast du die Übergabephase erlebt?
Ich bin mit viel Respekt vor der bisherigen Arbeit in die Übergabephase gestartet. Das Projekt ist inhaltlich wie organisatorisch sehr gut aufgestellt – das hat mir den Einstieg enorm erleichtert. Seit dem Jahreswechsel hat sich eigentlich noch nicht viel verändert; ich arbeite nach wie vor eng mit Beat zusammen und schätze diesen Austausch sehr. So gesehen gab es keinen Bruch, sondern einen fliessenden Übergang, was für das gesamte Projekt sehr wichtig ist. Meine neue Rolle als Gesamtprojektleiter zeigt sich beispielsweise bei Sitzungen, bei denen ich nun als «Chef» formal das letzte Wort habe und im Gegenzug für einen effizienten Ablauf verantwortlich bin. Ich lege meinen Fokus jetzt auf die Gesamtprojektleitung und bin froh, dass sich Beat in den kommenden Monaten noch um Spezialthemen kümmern kann.
Was reizt dich persönlich am meisten daran ein Projekt in dieser Grössenordnung zu leiten?
Es ist für mich ganz klar eine einmalige Gelegenheit, die Entstehung eines ganzen Quartiers – in dieser Grösse und Komplexität – aktiv mitzugestalten. Projektentwickler*innen sehen aufgrund der langen Entwicklungszeiten selten das Resultat ihrer Arbeit. Beim Viererfeld wird es nun konkret und ich freue mich darum sehr, dass ich auch noch aktiv das «lebende» Quartier sehen werde.
Welche Herausforderungen siehst du in den kommenden Jahren für das Quartierprojekt?
Die Entwicklung tritt in eine neue Phase ein: Die Anforderungen werden konkreter, es gibt stetig mehr Beteiligte und mit ihnen steigen die Ansprüche. Eine zentrale Herausforderung liegt darin, die Balance zwischen den hohen Erwartungen der Bevölkerung, den politischen Zielsetzungen und den Interessen der privaten Bauträgerschaften als Endinvestierende zu wahren. Die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden das Leben im Quartier für Jahrzehnte prägen.
Gibt es Themen, die du nach der Übergabe vertiefen oder weiterentwickeln möchtest?
Beat hat einen sehr guten Job gemacht – ich muss das Rad nicht neu erfinden. Auch mir liegt die gemeinsame Entwicklung mit allen städtischen Projektbeteiligten sehr am Herzen. Ich möchte dabei den Spagat schaffen, das grosse Ganze im Blick zu behalten und trotzdem genügend Raum für die leisen Zwischentöne einzuräumen. Gleichzeitig wird auch die Zusammenarbeit mit den Investierenden immer wichtiger; sie müssen hinter der Entwicklung stehen und werden mit ihren Projekten das Quartier – nicht nur optisch – entscheidend mitgestalten.
Wie stellst du dir das Quartier in 20 Jahren vor?
Ich stelle mir vor, wie ich am Rande des Saffa-Platzes an einem kleinen Bistrotisch im Schatten eines Baumes sitze und das Quartierleben beobachte. Umgeben von ganz unterschiedlichen Gebäuden, die aber trotzdem unverkennbar auch verbindende Elemente aufweisen, sehe ich wie die seinerzeit geplanten Plätze und Wege von den Bewohnenden rege genutzt und weiterentwickelt worden sind. Ich fühle mich wohl und lasse mich von der Lebensfreude der Bewohnenden anstecken.
Beat Kästli, im Frühling 2026 beginnt ein neuer Lebensabschnitt – worauf freust du dich?
Ehrlich gesagt, habe ich mir noch keine grossen Gedanken über diese Zeit gemacht. Ideen flattern herum und werden sich konkretisieren oder wieder wegfliegen. Planung und Organisation bestimmten stark meine berufliche Tätigkeit. Darum lasse ich das Planen für den Ruhestand im Moment und lasse die Zeit auf mich zukommen. Auf was ich mich sehr freue, ist mehr Zeit für persönliche Begegnungen ausserhalb des beruflichen Umfelds.
Gibt es eine Leidenschaft oder ein Hobby, dem du dich in Zukunft besonders widmen willst?
Ich bin gerne in der Natur. Einerseits beim Wandern und im Winter auf Skitouren. An der Uni studierte ich im Nebenfach auch Geologie. Dieser Bereich der Naturwissenschaft interessiert mich auch heute noch sehr. Darum werde ich meine Pensionierung mit einer Geologie-Exkursion auf Korsika starten.
Welche Tipps oder Ratschläge möchtest du deinem Nachfolger Michael Heim mit auf den Weg geben?
Tipps und Raschläge an meinen Nachfolger: Das lasse ich sein. Michael weiss selbst, was und wie er das Projekt führen will. Ich war begeistert vom Projekt und versuchte diese Begeisterung zu teilen. Vielleicht ist das ja ein Rat. Michael, ich wünsche Dir alles Gute und Begeisterung fürs Projekt!
Michael Heim, was wird deine erste «Amtshandlung» als Gesamtprojektleiter sein?
Die Projektführung wurde 2025 im Rahmen eines unabhängigen Audits unter die Lupe genommen: Vieles machen wir richtig, an einigen Stellen können wir uns noch verbessern. Ich werde mir darum Gedanken dazu machen, wo wir mit gezielten Massnahmen die Führung und Organisation der Quartierentwicklung stärken können und so einen Mehrwert für alle Beteiligten schaffen. Und ganz generell: Wir haben starke Teilprojekte mit eigenen Perspektiven, Interessen und Schwerpunkten. Gleichzeitig verfolgen wir ein übergeordnetes gemeinsames Ziel. Dieses Bewusstsein möchte ich weiter festigen.
Danksagung
Ein grosser Dank geht an Beat Kästli für sein ausserordentliches Engagement und seinen prägenden Beitrag zur Quartierentwicklung Viererfeld/Mittelfeld. Sein langjähriges Fachwissen, seine Weitsicht und seine lösungsorientierte Art haben das Projekt massgeblich vorangetrieben.
Michael Heim wünschen wir viel Erfolg und Freude bei der Weiterführung dieses wichtigen städtebaulichen Projekts.
