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Ausbau und innere Verdichtung

Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam es zu einer verdichteten Überbauung der bislang ungenutzten Flächen des überbauten Stadtgebiets.

Obwohl einzelne Bereiche zwischen Nydegg und Käfigturm bis weit ins 14. Jahrhundert hinein ohne dichtere Überbauung verblieben und zwischen 1285 und 1309 vier grössere Stadtbrände[1] sowohl in der zähringischen Gründungsstadt (Zähringerstadt) als auch in der Inneren Neustadt (Innere Neustadt) teilweise erhebliche Zerstörungen verursachten, bedeutete die zweite Hälfte des 13. und das beginnende 14. Jahrhundert für Bern eine Zeit des politischen und wirtschaftlichen Erstarkens sowie des intensiven Bevölkerungswachstums. Ausdruck dieses Wachstums waren neben der Erweiterung der Stadt nach Westen der Einbezug des Nydeggstaldens (Nydeggstalden) und der Matte (Matte) ins ummauerte Stadtgebiet sowie der Bau zwei neuer Gassen, die die bisher ungenutzten Flächen der sich nach Westen verbreiternden Aarehalbinsel ins Siedlungsgebiet einbezogen. Zugleich weisen die von Konrad Justinger überlieferten Zahlen über die Grösse städtischer Truppenaufgebote darauf hin, dass sich die Einwohnerschaft Berns zwischen 1250 und 1340 von schätzungsweise 2‘500 auf 5‘000 Personen verdoppelte.

Beaufsichtigung des Häuserbaus durch die Bauherren

Das seit Mitte des 13. Jahrhunderts anhaltende Bevölkerungswachstum führte dazu, dass sich nicht nur in den neu angelegten Stadtteilen, sondern auch in der bereits überbauten Zähringerstadt immer mehr Einwohner niederliessen. Die bestehenden Hofstätten mussten ständig weiter unterteilt und nach der Meinung Konrad Justingers schliesslich gar eng und klein ausgegeben werden.[2] Um eine weitere Parzellierung der Liegenschaften zu verhindern, was einerseits die Eigentumsverhältnisse in der Stadt zunehmend komplizierte und andererseits die Gefahr von grossflächigen Stadtbränden erheblich erhöhte, sah sich der Rat in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gezwungen, den Bau von Wohnhäusern innerhalb der Stadtmauern durch rechtliche Bestimmungen zu reglementieren und mit der Schaffung einer eigenständigen Baubehörde (Bauherrenamt) der direkten Aufsicht einer speziellen Ratskommission zu unterstellen. Um 1316 beschlossen dann Schultheiss und Rat, dass städtische Liegenschaften nicht mehr unter eine Mindestbreite von 16 Fuss (ca. 5 Metern) geteilt werden durften, wobei alle bestehenden Hofstätten, die bereits weniger als acht Fuss massen, unter der Aufsicht der vier Bauherren mit einem benachbarten Grundstück zusammengelegt werden mussten.[3] Die betroffenen Grundeigentümer hatten Anspruch auf eine Entschädigung, die von den neuen Grundstückinhabern zu bezahlen war, deren Höhe jedoch die Bauherren festlegten.[4]

Kontinuierliches Bevölkerungswachstum im 13. Jahrhundert

Das kontinuierliche Bevölkerungswachstum nach dem Tode Bertolds V. von Zähringen wird auch von Konrad Justinger bestätigt. Der Chronist gibt an, dass sich die Zahl der wehrpflichtigen Stadtbewohner von der zweiten Hälfte des 13. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts von rund 500 auf über 1‘000 Mann verdoppelt habe. In Zusammenhang mit dem von Bern 1255 eingegangenen Schutzverhältnis mit Savoyen berichtet Justinger von einem Kriegszug Graf Peters II. von Savoyen, an dem sich die verbündete Stadt mit 500 Kriegsknechten beteiligt haben soll.[5] Des Weiteren ist in einem Eintrag der Cronica de Berno – der von späteren Chronisten jedoch nicht übernommen wurde – zu lesen, dass die Berner um 1270 rund 350 Gefangene bei einem Angriff des Grafen Gottfried von Habsburg gegen die Stadt zu beklagen gehabt hätten.[6] Obwohl die genannten Zahlen nur unsichere Rückschlüsse auf bestehende demographische Verhältnisse erlauben und nicht alle der von den Chronisten erwähnten Kriegsknechte auch wirklich Stadtbewohner gewesen sein dürften, kann damit gerechnet werden, dass der Rat bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts innerhalb kürzester Zeit mehrere hundert Männer in der Stadt aufbieten und unter dem Befehl von Schultheiss und Vennern ins Feld schicken konnte.

Die Stadt zählt 1'000 wehrfähige Bürger

Die wachsende Zahl wehrfähiger Stadtbewohner zeigt sich beispielsweise während des Laupenkriegs von 1339/40 (Laupenkrieg von 1339/40). In der Auseinandersetzung mit dem burgundischen Adel gelang es dem Rat, unter Aufbietung der letzten Kräfte ein rund 1‘200 Mann starkes, durch etwa 5‘000 freiburgische Fusstruppen verstärktes feindliches Ritterheer in offener Feldschlacht zu schlagen und die von einer stadtbernischen Besatzung gehaltene Burg und Stadt Laupen am 21. Juni 1339 nach elftägiger Belagerung zu befreien. Während allein die Verteidigung von Laupen rund 600 hauptsächlich in Bern rekrutierte Männer beanspruchte, verstand es der Rat, gleichzeitig die eigene Stadtbefestigung zu besetzen und zusammen mit den in der Landschaft aufgebotenen Hilfskontingenten weitere 5‘000 Mann als Entsatzheer gegen Laupen zu schicken.[7] Obwohl die Hauptmacht des vor Laupen kämpfenden bernischen Heeres wahrscheinlich grösstenteils aus landsässigen Ausbürgern (Pfahl- und Ausbürger) und unfreien Landleuten bestand, die nur indirekt über ihre mit der Stadt verburgrechteten Grund- und Gerichtsherren der kommunalen Wehrpflicht unterlagen, zeigen die von Konrad Justinger überlieferten Zahlen, dass Schultheiss und Rat in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in der Lage waren, allein in Bern gegen 1‘000 wehrpflichtige Männer aufzubieten. Diese konnten je nach Bedrohung zusätzlich noch durch mehrere Tausend Landleute verstärkt werden.

Roland Gerber, 13.11.2017



[1]    In der Nacht vom 26. auf den 27. März 1285 vernichtete ein Feuer die Häuserzeilen westlich der Kreuzgasse bis zur alten Ringmauer. Der Rat wies die Besitzer der verbrannten Hofstätten an, die vormals hölzernen Lauben beim Wiederaufbau der Häuser durch steinerne zu ersetzen; FRB/3, Nr. 401a/b, S. 378. Am 6. Dezember 1287 wurde dann auch die Neustadt zwischen Zeitglockenturm und Käfigturm ein Raub der Flammen; Hans Morgenthaler: Bilder aus der älteren Geschichte der Stadt Bern, Bern 1935 (2. Auflage), S. 39. Der nächste Brand ereignete sich in der Nacht vom 19. auf den 20. April 1302, während dem die Häuserzeilen östlich der Kreuzgasse teilweise niederbrannten; Gottlieb Studer (Hg.): Die Berner Chronik des Conrad Justinger, Bern 1871, Nr. 65, S. 39; sowie FRB/4, Nr. 88, S. 97. In der Nacht vom 13. auf den 14. Januar 1309 zerstörte schliesslich ein Feuer erneut Teile der westlich der Kreuzgasse gelegenen Zähringerstadt; FRB/4, Nr. 310, S. 343.

[2]    Gottlieb Studer (Hg.): Die Berner Chronik des Conrad Justinger, Bern 1871, Nr. 8, S. 7f.

[3]    RQ Bern I/2, Nr. 73, S. 36.

[4]    Roland Gerber: Öffentliches Bauen im mittelalterlichen Bern. Verwaltungs- und finanzgeschichtliche Untersuchung über das Bauherrenamt der Stadt Bern 1300 bis 1550 (Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern 77), Bern 1994, S. 24 f.

[5]    Gottlieb Studer (Hg.): Die Berner Chronik des Conrad Justinger, Bern 1871, Nr. 29, S. 19f.

[6]    Ders., Nr. 37, S. 25f.; sowie Gottlieb Studer (Hg.): Cronica de Berno, in: Die Berner Chronik des Conrad Justinger nebst vier Beilagen, hg. von Gottlieb Studer, Bern 1871, S. 295-301, hier 296.

[7]    Gottlieb Studer (Hg.): Die Berner Chronik des Conrad Justinger, Bern 1871, Nr. 134, S. 72-94; sowie Gottlieb Studer (Hg.): Conflictus Laupensis, in: Die Berner Chronik des Conrad Justinger nebst vier Beilagen, hg. von Gottlieb Studer, Bern 1871, S. 302-313.

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