Schwerpunkteplan Migration und Rassismus
Mit dem «Schwerpunkteplan Migration und Rassismus 2026–2029» stärkt der Gemeinderat die Teilhabe der Migrationsbevölkerung und bekämpft Rassismus in der Stadt Bern. Ein Querschnittsschwerpunkt ist die Bekämpfung von Antisemitismus.
Der Gemeinderat hat den «Schwerpunkteplan Migration und Rassismus 2026-2029» (PDF, 2.4 MB) verabschiedet. Der Schwerpunkteplan gliedert sich in fünf Schwerpunkte. Innerhalb dieser Schwerpunkte ist die Umsetzung von insgesamt 26 neuen Massnahmen bis 2029 geplant.
Die neu geplanten Massnahmen auf einen Blick
Der Gemeinderat möchte, dass alle Menschen in der Stadt mitreden und mitgestalten können. Deshalb stärkt er die politische Teilhabe und schafft bessere Möglichkeiten, rassistische Vorfälle zu melden.
Gleichzeitig setzt er sich dafür ein, Vorurteile abzubauen: Die Bevölkerung, die Stadtverwaltung und die Schulen werden gezielt für die Themen Antisemitismus und Diskriminierung sensibilisiert.
Auch innerhalb der Stadtverwaltung möchte er für mehr Chancengleichheit sorgen – mit gleichen Chancen bei der Einstellung, Förderung und Entwicklung von Mitarbeitenden.
Der Schwerpunkteplan enthält 26 neue Massnahmen in folgenden fünf Schwerpunkten:
1. Mit spezifischen Massnahmen ermöglichen wir, dass Berner*innen mit und ohne Schweizer Pass am Stadtleben teilhaben können.
- Die Stadt führt eine Citizen Card ein.
- Die Stadt Bern erhebt den Bedarf an Räumlichkeiten bei den Vereinen der Migrationsbevölkerung. Sie prüft die vorgebrachten Anliegen und leitet daraus mögliche Massnahmen zur Umsetzung eines «Hauses der transkulturellen Begegnung» ab.
- Der Bürgerrechtsdienst der Stadt Bern organisiert Informationsanlässe zum Thema Einbürgerung für verschiedene Zielgruppen.
- Die Stadt stärkt die politische Teilhabe. Sie macht ausgewählte Informationen über Abstimmungen und Wahlen unterschiedlichen Anspruchsgruppen zugänglicher.
- Die Stadt passt das Reglement der Partizipationsmotion an. Sie ergreift neue Massnahmen, um das Instrument zur politischen Mitsprache in der ausländischen Bevölkerung bekannter zu machen.
- Die Stadt fördert Alltags-Tandems für geflüchtete Personen.
- Die Stadt ermöglicht die Sprachförderung von Personen mit Ausweis N oder von Personen ohne sichere Bleibeperspektive.
2. Wir gehen aktiv gegen jegliche Form von Rassismus vor.
- Die Schulsozialarbeit ist im schulischen Kontext Ansprechstelle bei Mobbing sowie für Rassismus und weitere Diskriminierungsformen. Sie berät und begleitet Betroffene, leitet Anliegen bei Bedarf an die zu-ständigen Fachstellen weiter und bezieht dabei verschiedene Fachperspektiven ein.
Die Schulsozialarbeitenden werden zum Thema Antisemitismus geschult.
- In der Fokusgruppe Rassismus und Diskriminierung bringt die Stadt Expertise aus Organisationen der Zivilgesellschaft und der Stadtverwaltung zusammen. Sie identifiziert Handlungs- und Lösungsfelder.
- Die Stadt Bern macht bestehende Meldemöglichkeiten für Rassismus besser zugänglich und stärkt aktiv die Zusammenarbeit mit verschiedenen Communities.
In enger Kooperation mit ihren Partnerorganisationen legt sie gezielt Schwerpunkte auf die Bekämpfung von Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus.
- Die Stadt sensibilisiert die Bevölkerung und die Verwaltung zu spezifischen Formen von Rassismus.
Sie vermittelt Weiterbildungsangebote für Verwaltung und Institutionen zu Antisemitismus und zu weiteren Diskriminierungsformen.
Die Stadt macht Informationen und Unterstützungsangebote im Zusammenhang mit spezifischen Formen von Rassismus, insbesondere Antisemitismus, für die breite Stadtbevölkerung sichtbar, verständlich und niederschwellig zugänglich.
- Kultur Stadt Bern bietet Mitarbeitenden und Mitgliedern der Kulturkommission Weiterbildungen zu aktuellen Themen in den Bereichen Diversität und Antidiskriminierung an, beispielsweise zum Thema Antisemitismus.
3. Wir setzen uns für gerechte Chancen für alle Kinder und Jugendlichen ein. Herkunft und Rassifizierung soll dabei keine Rolle spielen.
- Die Stadt Bern macht Informationen zu städtisch verwalteten Fonds niederschwellig zugänglich. Aus den Fonds können Armutsbetroffene einmalig unterstützt werden, wenn keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten in Frage kommen und der Fondszweck erfüllt ist.
- Die Stadt Bern bietet mit dem Angebot «Fallberatung frühe Hilfen» ein niederschwelliges, bedarfsorientiertes Beratungsangebot mit muttersprachlicher Unterstützung für mehrfachbelastete Familien mit Vorschulkindern an.
- Mit einer Pilotschule werden Massnahmen für eine diskriminierungsarme Schule entwickelt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Diskriminierungsformen, die noch zu wenig im Fokus sind – beispielsweise Antisemitismus.
- In der Kollektivunterkunft Tiefenau bietet die Stadt ein soziokulturelles Freizeitangebot für Kinder, welches durch DOK/TOJ geführt wird. Der Pilot wird evaluiert und die Überführung in ein Regelangebot geprüft.
4. Wir setzen uns für eine Kommunikation und eine Stadtverwaltung ein, die die Vielfalt der Stadtbevölkerung widerspiegelt.
- Die Stadtverwaltung fördert als Arbeitgeberin die Diversität auf allen Stufen. Sie erarbeitet ein innovatives städtisches HR-Diversitätskonzept inklusive Controlling- und Zielsetzungsprozess und setzt dieses um.
- Die Stadtverwaltung fördert die Chancengerechtigkeit in Bezug auf die Merkmale rund um Migration und Rassifizierung bei der Personalgewinnung und -entwicklung auf allen Funktionen, insbesondere im Rekrutierungsverfahren sowie bei Schulungen von Personalverantwortlichen und der Linie.
- Die Stadt gründet ein Netzwerk von städtischen Mitarbeitenden mit Migrations- und Rassismuserfahrung.
5. Die Angebote der Stadt sind inklusiv und zugänglich für alle.
- Die Diversitätsgerechtigkeit von digitalen Vorhaben wird im Digitalportfolioprozess systematisch gewährleistet.
- Die Stadt prüft die Einrichtung einer unabhängigen Ombudsstelle mit Spezialisierung auf den Bereich Asyl.
- Die Stadt ist bestrebt, die Lebensbedingungen für vulnerable Personengruppen in den Kollektivunterkünften des Asylbereichs zu verbessern. Sie steht im Austausch mit dem Kanton, um Schutzbereiche für allein reisende Frauen und queere Personen zu schaffen.
- Die Stadt Bern unterstützt die Realisierung eines Nationalen Erinnerungsortes für die Opfer des Nationalsozialismus, namentlich durch das Zurverfügungstellen des entsprechenden öffentlichen Raums.
Sie unterstützt die Ermöglichung einer gegenwartsbezogenen Auseinandersetzung mit Antisemitismus in Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen.
- Die Stadt Bern prüft die Erweiterung und/oder Präzisierung der Diversitätsartikel in den Musterleistungsverträgen mit Leistungsvertragspartner*innen.
- Die Stadt fördert den Zugang zum Velofahren und eine breit abgestützte Velokultur. Sie prüft fortlaufend bestehende finanzielle, soziale und sprachliche Hürden der Nutzung und entwickelt Massnahmen, um das Velofahren in der Stadt Bern der gesamten Stadtbevölkerung zu ermöglichen.
- Die Stadt erweitert den Veloverleih «Velo für alle» im Quartierzentrum Tscharnergut und passt das Angebot schrittweise den bestehenden Bedürfnissen an. Dadurch wird das Ausprobieren des Velofahrens im Alltag erleichtert. Sowohl Menschen mit geringem Einkommen als auch Personen mit wenig Kenntnissen über passende Velos und deren Bezugsorte erhalten dank eines niederschwelligen Angebots im Quartier leichter Zugang zu Velos.
Bei 25 Massnahmen handelt es sich um laufende Massnahmen. 26 Ziele sind neu dazugekommen und ergänzen so die Bestrebungen, Bern zu einer «Stadt für alle» zu machen. Diese finden Sie im Dokument Schwerpunkteplan Migration und Rassismus 2026-2029 (PDF, 2.4 MB).
Modell «Stadt für alle» mit Fokus Migration und Rassismus
Grundlage der städtischen Arbeit zur Förderung der Teilhabe der Migrationsbevölkerung und zur Bekämpfung von Rassismus ist das Modell «Stadt für alle» mit Fokus auf Migration und Rassismus. Es orientiert sich an den drei Handlungsbereichen Zugänglichkeit, Teilhabe und Sichtbarkeit.
Ziel ist eine «Stadt für alle», in der sich alle Menschen in Bern unabhängig von Herkunft, Aufenthaltsstatus oder ethnischen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeiten oder Zuschreibungen in der Stadt Bern zu Hause fühlen.
Der neue Schwerpunkteplan ist der fünfte Schwerpunkteplan im Bereich Migration und Rassismus. Er folgt auf den «Schwerpunkteplan Migration und Rassismus 2022-2025» (PDF, 625.2 KB).
Frühere strategische Instrumente der städtischen Integrationspolitik:
- Schwerpunkteplan Integration 2018–2021 (PDF, 587.2 KB)
- Massnahmenplan für die Jahre 2014–2017 (PDF, 852.6 KB)
- Massnahmenplan für die Jahre 2011 und 2012 (PDF, 304.1 KB)
- Informationskonzept 2011–2013 (PDF, 304.1 KB)
- Leitbild zur Integrationspolitik der Stadt Bern 2010 (PDF, 88.3 KB)
- Leitbild zur Integrationspolitik der Stadt Bern 1999 (PDF, 126.7 KB)
