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Munzingerstrasse

«GrünLand» ist eine Tauschbörse der besonderen Art: Auf dem kleinen Platz beim Schulhaus Munzinger steht ein alter Bauwagen, um ihn herum lauter bunt zusammengewürfelte Stühle, Tische, Blumen und Setzlinge. Wer will, kann hier verweilen; wer möchte, Pflanzen bringen oder mit nach Hause nehmen.

27. April – 31. Juli 2022

siehe auf Karte

«GrünLand» – die Oase im Fischermätteli

Ein Gespräch mit Maira Winkler

Ursprünglich wollte Maira Winkler, die Initiantin der Oase «GrünLand», auf dem Platz eine Give-Box installieren – einen Ort, an dem man gebrauchte Gegenstände vorbeibringen oder mitnehmen kann. Doch dann entschied sie sich für eine lebendige und «grüne» Variante des Tausches: Samen, Setzlinge und Zimmerpflanzen. Für Maira Winkler ist die Tauschbörse auch eine Möglichkeit, über Wildpflanzen zu sprechen und unseren Umgang mit der Natur zu hinterfragen. Die Realität vor Ort zeigt, dass die Pflanzen auf dem kleinen Platz nur ein Aufhänger sind. Menschen kommen vorbei, bleiben stehen, unterhalten sich, erzählen ihre Lebensgeschichten, schauen neugierig in den Wagen. «Ich könnte ein Buch schreiben mit den vielen Geschichten, die hier zwischen den Pflanzen erzählt werden. Das hätte ich mir am Anfang nicht vorstellen können.»

Munzingerstrasse_2022_1
Bild Legende:
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Die Oase «GrünLand» ist eine Eigeninitiative von Maira Winkler. Ohne ihr breites Netzwerk und die Hilfe vieler Menschen hätte sich die Oase jedoch ganz anders entwickelt, erklärt sie. Einige Setzlinge erhält sie zum Beispiel vom Biohof Neuenburg, auf dem sie ab und zu arbeitet; essbar&achtsam, eine Organisation, die sich für einen bewussten Umgang mit Wildpflanzen einsetzt, bringt Pflanzen vorbei und pflegt sie; Privatpersonen aus dem Quartier stellen ihre ungebrauchten Gartenmöbel zur Verfügung. Die Stiftung Bächtelen schenkt Baumstrünke, der Bio-Laden im Fischermätteli und die Kaffeebar IDA sponsern Häppchen und Getränke für die Finissage am 31. Juli. Im orangefarbenen Bauwagen steht neuerdings auch eine kleine Theke mit selbstgemachtem Pesto aus Wildkräutern, Vollmond-Senf, Wald- und Wiesentee, eine Lavendel-Bademischung oder Bärlauchknospen (ein Kapernersatz). Bezahlen muss man dafür nichts, man darf. Geld soll in der Oase «GrünLand» keines im Spiel sein, jede Pflanze – ob verarbeitet oder nicht – steht ohne Gegenwert. So muss sich niemand dazu verpflichtet fühlen, etwas Materielles dazulassen. «Mir ist es viel wichtiger, dass Menschen ihre Geschichten, ihre Zeit, ihr Vertrauen und ihre Präsenz vorbeibringen», sagt Maira Winkler. Sie erzählt von einem Schuljungen, der nicht nach Hause konnte und bei ihr auf dem Platz die Zeit überbrückte, bis eine Lösung gefunden war. Oder von einer älteren Frau, die jeden Tag vorbeikommt und über ihre Erlebnisse im Krieg erzählt; von Menschen, die an der Platz-Veranstaltung «Grüne Lieder» zum ersten Mal seit ihrer Kindheit wieder getanzt und gesungen haben.

Sei es an den Veranstaltungen oder an der Tauschbörse – die Oase «GrünLand» lebt davon, dass Menschen mitmachen. Wie gelingt dies? Im Voraus hatte Maira Winkler keine genaue Vorstellung davon. Nun meint sie: «Durch den Raum, der angeboten wird, sei es mit Stühlen oder mit einer persönlichen Präsenz: Da sein und einfach machen. Es braucht eigentlich nicht sehr viel, es braucht Zeit.» Teilhabe lebe auch von der Neugier und der Offenheit der Passant*innen. Und da stellt sich heraus: Da der Platz neben einer Schule und einer öffentlichen Abfallentsorgungsstelle liegt, ist er wie geschaffen dafür. War er bis anhin leer und unbelebt, wird er nun von Menschen genutzt, die in ihrem Alltag daran vorbeilaufen. Das Bedürfnis für einen geteilten Raum scheint vorhanden zu sein – auch wenn sich nicht alle für Pflanzen interessieren und manche einfach in der Sonne sitzen möchten. «Mein Wunsch ist, dass sich zeigt, was Leben ist», sagt Maira Winkler. «Und dazu gehören Begegnungen, dazu gehört aber auch Ernüchterung.» Sie hofft, dass die Pflanzen auf dem Platz auch als Metapher für unseren Umgang mit der Natur verstanden werden können: Eine Pflanze produziert unzählige Samen, die sie weitergeben kann. Und braucht doch genug Wasser und Licht, um zu gedeihen.

Munzingerstrasse_2022©JoséphineMétraux_2
Bild Legende:
Munzingerstrasse_2022©JoséphineMétraux_2

jeweils 14-16h

Mo, 02.05. Einweihung mit Getränk, Musik, Tausch
Sa, 07.05. grüne Lieder singen, musizieren
Mo, 16.05. Buchenblätter-Pesto herstellen
Mi, 25.05. Holunder sammeln
Fr, 03.06. Regenrohre bauen
Fr, 10.06. Pflanzen im Quartier bestimmen
Mo, 13.06. Samenkugeln formen
Mo, 27.06. singen aus aller Welt mit Suzanne und Christine (17 Uhr)
Di, 28.06. grünes Quiz rätseln
Mo, 04.07. grüner Märlinachmittag
Mi, 27.07. grüne Überraschung
So, 31.07. Finissage

Weitere Informationen.

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